by Matthias Claudius (1740 - 1815)

Die Henne
Language: German (Deutsch) 
Es war [einmal]1 eine Henne fein,
Die legte fleißig Eier;
Und pflegte denn ganz ungemein
Wenn sie ein Ei gelegt zu schrein,
Als wär' im Hause [Feuer]2.
Ein alter Truthahn in dem Stall,
Der Fait vom Denken machte,
Ward bös darob, und Knall und Fall
[Trat]3 er zur Henn' und sagte:
"[Das Schrein, Frau Nachbarin, war eben]4 nicht vonnöten;
Und weil es doch zum Ei nichts tut,
So legt das Ei, und damit gut!
Hört, seid darum gebeten!
Ihr wisset nicht, wie's durch den Kopf mit geht."
"Hm!" sprach die Nachbarin, und tät
Mit einem Fuß vortreten,
"Ihr wißt wohl [schön]5, was heuer
Die Mode mit sich bringt,
Ihr ungezognes Vieh!
Erst leg ich meine Eier, 
Dann rezensier ich sie."

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1 Kraus: "mal"
2 Kraus: "Feu'r"
3 Kraus: "Ging"
4 Kraus: "Ich dächte, Nachbarin, das Schrein wär"
5 Kraus: "recht"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2004-06-12
Line count: 21
Word count: 120