by Rudolph Baumbach (1840 - 1905)

Vogelsprache
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG
Am Feuerherd der Frieder schürt
Die Gluth mit einer Zange.
Was zischend sich im Kessel rührt,
Ist eine weisse Schlange.
Er schluckt und schlingt mit vieler Müh'
     Die grause Brüh'.
Da wird's im Kopf ihm wunderlicht;
Jetzt weiss er, was der Vogel spricht.

Willkomm du lust'ger Kirschendieb!
Nun sag' mir frohe Kunde.
Hat mich mein schwarzbraun Mädel lieb
Und denkt sie mein zur Stunde?
Da sang im Kirschenbaum der Spatz:
     "Dein brauner Schatz
Hat einen Buhlen schön und reich." -- 
Der Frieder ward wie Kreide bleich.

Drauf hat er sich aus Lindenbast
Gewunden eine Schlinge,
Die band er an den Lindenast,
Auf dass er sich erhinge.
Da sprach der Rabe mit Geschnarr:
     "Du bist ein Narr!
Die Welt ist grün und schwarz das Grab."
Der Frieder schnitt sich wieder ab.

Er setzte sich auf einen Stein
Und hatte Weh im Herzen.
Das ungetreue Mägdelein,
Das konnt' er nicht zerschmerzen.
Da sprach im Apfelbaum der Fink:
     "Trink Frieder, trink!
Der Frieder soll zu Weine gahn."
Der kluge Frieder hat's gethan.

Confirmed with Rudolf Baumbach, Spielmannslieder, Leipzig: Verlag von A. G. Liebeskind, 1883, page 37-38.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "What the birds spoke", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

This text was added to the website: 2020-09-04
Line count: 32
Word count: 168