Der weiße Aar
Language: German (Deutsch) 
Am grünen Haag, auf fettem Wiesengras, 
Ein Stier behaglich wiederkäut den Fraß, 
Auf dürrem Ast ein Adler saß, 
Ein kranker Aar, 
Mit gebrochnen Schwingen. 

Steig' auf, mein Vogel, in die blaue Luft, 
Ich seh' dir zu, aus meinem Kräuterduft, 
Weh!  weh!  umsonst die Sonne ruft 
Den wunden Aar 
Mit gebrochnen Schwingen. 

O!  Vogel, warst so stolz und freventlich, 
Und keine Fessel wolltest ewiglich, 
Weh!  weh!  zu Viele über mich! 
Und Aare all, 
Brachen mir die Schwingen.  

So flatt're in dein Nest, vom Aste fort, 
Dein Ächzen schier mir meine Kräuter dorrt, 
Weh!  weh!  kein Nest hab' ich hinfort!
Verscheuchter Aar, 
Mit gebrochnen Schwingen. 

O Vogel!  wärst du eine Henne doch! 
Dein Nestchen hättest du im Ofenloch  --  
Weh!  weh!  viel lieber ein Adler noch! 
Viel lieber ein Aar
Mit gebrochnen Schwingen.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

  • by Annette Elisabeth, Freiin von Droste-Hülshoff (1797 - 1848), "Der weiße Aar" [ voice and piano ], confirmed with Kwartalnik Neofilologiczny, LVIII, 2/2011, Nachklänge des Novemberaufstandes 1830/1831 in Polen im kompositorischen Werk der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, by Lech Kolago, Warszawa: no date, in Anhang, page 161. Reproduced from Kompositionen Lieder und Gesänge, ed. by Thomas W. Ascher: Trossingen 1998, page 21. [sung text checked 1 time]

Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-12-17
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Word count: 130