by Johann Friedrich Kind (1768 - 1843)

Das Licht im Thale
Language: German (Deutsch) 
Der Geishirt steht am Felsenrand, 
Ein Dirnlein naht in Pilgergewand.  

"Gelobt sei Christ!  --  bist du kein Geist?" 
So frag' ich den, wer jetzt noch reis't. 

"Was schimmert dort mit mattem Strahl?"
Das Feuerwürmlein fliegt im Thal.  

"Schau, immer heller steigt's empor  --  " 
Der Irrwisch hüpft aus Schilf und Moor. 

"So feurig glimmt der Irrwisch nicht  --  "
So ist's des Bergmanns Grubenlicht.  

"Schau hin, wie Sternlein leuchten jetzt  --  "
Die Funken, die der Amboß spritzt. 

"Nicht Hammer fällt, nicht Blasbalg facht  --  "
Mein Enklein spinnt noch spät bei Nacht.  

"Laub deckt der Spinn'rin Fensterschoß  --  "
Die Kerzen flimmern im Herrenschloß.  

"O blinkt vom Schloß der Schein mir zu, 
Schenk' Gott dem Kranken sanfte Ruh'!"  

Der Junker ruht wohl sanft genug; 
Es sind die Fackeln vom Leichenzug. 

"Ach, sind's die Fackeln vom Leichenzug, 
Ist mir die Klipp' nicht steil genug!"  

Der Geis zu steil  --  gib' mir die Hand  --  
"Wohl tiefer meine Angst und Schand'!" 

Geläut und Totenlied weht her, 
Der Geishirt sieht die Maid nicht mehr. 

Durch Wolken dringt der Mondenstrahl, 
Die Maid liegt blutig im tiefen Thal. 

Confirmed with W. G. Becker's Taschenbuch zum geselligen Vergnügen, ed. by Friedrich Kind, Leipzig: Georg Joachim Göschen, 1823, pages 238 - 239.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2019-12-03
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