by Johann Friedrich Kind (1768 - 1843)

Der Schleier im Walde
Language: German (Deutsch) 
[Es ritt bei frühem Nebelgrau]1
Ein Jäger in den Wald.
Ehr kehrte heim im Abendthau
Nach seinem Aufenthalt.
Was sah er da?
Tirili, tirila!

Was glänzt so hell im grünen Hain?
Was blinkt an Stromes Lauf?
Ein Mädchen schleier weiss und fein,
Von Gold ein Krönchen drauf.
Was that er da?
Tirili, tirila! 

Leis schlich er hin an Ufers Rand,
Und rührt den Schleier an.
"Was hat dir, Waidmann, mein Gewand
Und meine Kron' gethan?" 
Was sah er da?
Tirili, tirila! 

Die zart'ste Maid im Mondenschein,
Zwei Dirnchen wunderhold!
Sie strählten ihr die Härelein
In Zöpfe, hell wie Gold.
Was sagt' er da?
Tirili, tirila!

"Ach, allerschönstes Mägdelein!
Willst du die meine sein?"  
"Soll Otterkönigs Töchterlein
Den grünen Waidmann frei'n?
Aha, ahi!
Tirila, tirili!"  

"Wie stolz und höhnisch, kleines Ding,
So mild von mir begrüßt?
Ist dir der Jäger zu gering,
Der Fürst der Waldes ist?"
Was that er da?
Tirili, tirila! 

Er nahm den Schleier und die Kron'
Und schwang sich in die Höh'.
Das nimm, du Spröde, dir zum Lohn! 
Ade, Prinzeß, ade!
Ahi, aha!
Tirili, tirila! 

Husch!  taucht das flinke Nixchen-Chor 
Hinab ins Wassers Schooß,
Und zischen schießt ein Heer hervor
Von Otter klein und groß.
Und was geschah?
Tirili, tirila!

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Confirmed with Fridrich Kind's Gedichte, neueste Auflage, Wien: B. Ph. Bauer, 1815. Pages 182 - 185.

1 Götzloff: "Es tritt bei düstern Morgendrau"; further changes may exist not shown above.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2018-06-05
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