by Christian Leberecht Heyne (1751 - 1821), as Anton Wall

Rädchen, Rädchen, gehe, gehe
Language: German (Deutsch) 
Rädchen, Rädchen, gehe, gehe, 
Fädchen, Fädchen, drehe, drehe, 
Dreh' dich, ohne still zu stehn.
Denn im Himmel und auf Erden 
Kann kein Sonnenstäubchen werden 
Ohne Gehn und ohne Drehn. 

Wenn auf meinem Gartenbeete 
Sonn' und Regen nicht sich drehte, 
Ja, da geb's kein grün Gericht; 
Wenn um meine Rasenstäte 
Nie ein Frühlingslüftchen wehte, 
Meine Rosen kämen nicht. 

Ohne Drehn und Wirbeln klänge 
Nicht ein Verschen, das man sänge, 
Wär's auch noch so hübsch gemacht, 
Und blieb Nachts, statt fortzudrehen, 
Schnapp!  --  einmal der Himmel stehen, 
Nun da säs man in der Nacht. 

Der Professor, unser Vetter, 
Weiß doch wohl, was Wind und Wetter, 
Sonne, Mond und Sterne sind, 
Und der spricht, wir alle drehten 
Uns mit Schlössern, Dörfern, Städtchen 
Um die Sonne, wie ein Wind. 

Nun von Schnee, und Wind, und Wetter, 
Sonn' und Erde weiß der Vetter 
Freilich manches mehr, als ich:   
Aber daß man ohne Drehen
Nicht ein Tänzchen kann begehen, 
Weiß ich selber sicherlich. 

Huy, da muß man immer schweben, 
Immer fliegen, immer weben, 
Daß die Stäubchen drehn und wehn, 
Recht nach Sang und Klang und Weise 
Immer zirkeln rund im Kreise, 
Und kein Augenblikchen stehn. 

Drum, du Rädchen, gehe, gehe, 
Und du Fädchen, drehe, drehe, 
Dreh' dich, ohne stillzustehn: 
Denn es wird kein Rosenkränzchen, 
Und es wird kein Wintertänzchen 
Ohne Gehn und ohne Drehn.

About the headline (FAQ)

Confirmed with Litteratur- und Theater-Zeitung, zweiten Jahrgang, dritter Theil, Berlin: Arnold Wever, 1779, pages 776 - 777. Appears in issue no. 49, dated 4 December 1779.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-06-26
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