by Bertolt Brecht (1898 - 1956)
Moderne Legende
Language: German (Deutsch)
Our translations: ENG
Als der Abend übers Schlachtfeld wehte Waren die Feinde geschlagen. Klingend die Telegrafendrähte Haben die Kunde hinausgetragen. Da schwoll am einen Ende der Welt Ein Heulen, das am Himmelsgewölbe zerschellt' Ein Schrei, der aus rasenden Mündern quoll Und wahnsinnstrunken zum Himmel schwoll. Tausend Lippen wurden vom Fluchen blaß Tausend Hände ballten sich wild im Haß. Und am andern Ende der Welt Ein Jauchzen am Himmelsgewölbe zerschellt' Ein Jubeln, ein Toben, ein Rasen der Lust Ein freies Aufatmen und Recken der Brust. Tausend Lippen wühlten im alten Gebet Tausend Hände falteten fromm sich und stet. In der Nacht noch spät Sangen die Telegrafendräht' Von den Toten, die auf dem Schlachtfeld geblieben - - Siehe, da ward es still bei Freunden und Feinden. Nur die Mütter weinten Hüben - und drüben.
Text Authorship:
- by Bertolt Brecht (1898 - 1956), "Moderne Legende" [author's text not yet checked against a primary source]
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- [ None yet in the database ]
Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Knut W. Barde) , "Modern Legend", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
Researcher for this page: Knut W. Barde
This text was added to the website: 2006-04-07
Line count: 22
Word count: 126