by Christian Ludwig Reissig (1784 - 1847)

Mild umschattet von der Dämm'rung...
Language: German (Deutsch) 
Mild umschattet von der Dämm'rung Schleyer,
Schlummert die Natur in sanfter Feyer,
Müde von des Tages Sonnengluth;
Ernst versunken in Erinn'rungstraume,
Wandl' ich einsam hier im Schöpfungsraume,
Wo sonst Alles, nur mein Herz nicht ruht. 

Denn das Schicksal schlug ihm eine Wunde,
Schmerzend mahnt sie stets an jene Stunde,
Die aus einem Himmel mich verstieß  -- 
Ach, schon viel gelitten, viel geduldet, 
Hab' ich armer Wand'rer unverschuldet,
Seit meiner Jugend Pfad verließ. 

Guter Mond!  wie traurig, wie so stille,
Blickst du durch azur'ne Wolkenhülle,
Auf die Thränen deines Freund's herab;
Wann siehst du die letzte Kummerthräne?
Wann verhalle meine Klagetöne?
Küssest du wohl bald mein Rasengrab?

About the headline (FAQ)

Confirmed with Christian Ludwig Reissig, Blümchen der Einsamkeit, Wien: Johann Baptist Wallishausser, 1809, pages 16 - 17.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

Text added to the website: 2019-03-12 00:00:00
Last modified: 2019-03-12 16:55:08
Line count: 18
Word count: 105