An meinen Freund
Language: German (Deutsch) 
Lern', o Freund!  dem Schicksal höhnen, 
Das dir keine Schätze gab, 
Wische männlich diese Thränen 
Von den bleichen Wangen ab. 

Lasse dir mit süßen Spielen 
Sich die Freude wieder nah'n; 
Hast du doch ein Herz, das fühlen, 
Und ein Aug, das weinen kan.  

Dein ist manche sanfte Wonne, 
Die von tausend Thoren wich;  
Dir liebkoset jede Sonne, 
Jede Staude blüht für dich; 

Jedes Blümchen, das im Lenze 
Von der Flora Ruf entsproß: 
In dem Bunde frischer Kränze,
Oder in Aurorens Schooß,   

Wenn sie mütterlich es pfleget,
Küsset, säuget und bethaut, 
Dann es in die Sonne leget, 
Und den Westen es vertraut, 

Oder wenn es still bethränet
An der Hirtinn Brust sich regt, 
Die sich nach dem Schäfer sehnet, 
Der schon andre Fesseln trägt. 

Confirmed with Friedrich August Clemens Werthes, Hirtenlieder, Leipzig: Johann Gottfried Müller, 1772, pages 60 - 62.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-03-21
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