by (Karl) Ludwig Pfau (1821 - 1894)

Schlaf' mein Kind, und träume
Language: German (Deutsch) 
Schlaf' mein Kind, und träume, 
Stille ist die Nacht, 
Und die alten Bäume
Flüstern um die Hütte sacht.

Schlaf', mein Kind, in tiefem Schlummer
Lieget rings die öde Welt;
Schwere Nacht und blut'ger Kummer 
Lagern auf dem weiten Feld.
Durch das Land mit ehrnen Sohlen 
Schreitet dumpf die Tyrannei ;
Auf den Gräbern edler Polen 
Wandeln ihre Schritte frei.

Schließ' die Augenlieder, 
Schlaf', mein Kind, so sacht;
Wasser rauschen nieder 
Übers Wehr die ganze Nacht.

Wiegenlieder klingen leise,
Doch die kurze Nacht entflieht;
Dann wird tönen andre Weise, 
Dann wird dröhnen andres Lied! 
Purpurn durch der Träume Weben 
Schaut des Lebens Morgenglut,
Purpurn schaut es in dein Leben --
Aber von der Väter Blut 

Schlaf', mein Kind, so linde,
Stille ist die Nacht;
Wolken gehn und Winde,
Und der Mond steht aus der Nacht.

Wirst du nach dem Vater fragen,
Lallend kaum, du armes Kind! 
Werd' ich dich zum Hügel tragen 
Wo sie all begraben sind. 
Wo, vom Heimatgrund umschlossen, 
Alle liegen Hand in Hand,
Väter, Brüder, Schwertgenossen --
Freiheit, ach! und Vaterland.

Schließ' die Augenlieder,
Schlaf' mein Kind so sacht;
Alte Heldenlieder 
Wehn um's Haus die ganze Nacht.

Schlaf', mein Kind, dir vorzusingen,
Wird die Mutter nimmer müd;
Bist du groß, dann will ich singen
Dir ein Lied das Funken sprüht -- 
Ha! ein Lied von blut'gen Klingen, 
Vaterland und Wassenspiel; 
Und das Schwert dich lehren schwingen
Das des Vaters Hand entfiel.

Schlaf', mein Kind, und träume,
Stille ist die Nacht, 
Und durch Gottes Räume 
Ziehen tausend Sterne sacht. 

About the headline (FAQ)

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2009-08-28
Line count: 52
Word count: 247