by August Ganther (1862 - 1938)

Allerseelen
Language: German (Deutsch) 
Allerseelentag ist kommen,
hoch vom Turm die Glocken hallen;
zu der Lieben Gräber wallen
alle, die den Ruf vernommen.

Und im schmucken Feierkleide,
aus den Blumen bunt gewoben,
die der Spätherbst aufgehoben,
prangen alle Gräber heute.

Ein Hügel nur, den Zypressen
nicht beschatten, den nur Hecken,
wilde wuchernde bedecken,
liegt verlassen und vergessen.

Keines kommt, um ihn zu schmücken
mit dem Kranz nach alter Sitte;
niemand naht, um heiße Bitte
liebend himmelan zu schicken.

Ach, ein Röslein nur, ein armes,
beugt sich übers Grab voll Trauer;
und es spricht im Todesschauer
ein Gebet, ein liebewarmes.

Zitternd steht's in bangem Sehnen;
als es hebt das Köpfchen wieder,
fallen seine Blättlein nieder,
für den Unbeweinten Tränen.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Research team for this text: Bertram Kottmann , Johann Winkler

Text added to the website: 2020-02-06 00:00:00
Last modified: 2020-02-06 18:30:45
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