by Gottfried August Bürger (1747 - 1794)

Die Weiber von Weinsberg
Language: German (Deutsch) 
Wer sagt mir an, wo Weinsberg liegt?
Soll sein ein wackres Städtchen,
soll haben, fromm und klug gewiegt,
viel Weiberchen und Mädchen. 

Kömmt mir einmal das Freien ein,
so werd' ich Eins aus Weinsberg frei'n.
Einstmals der Kaiser Konrad war
dem guten Städtlein böse,
Und rückt' heran mir Kriegesschar
und Reisigengetöse,
umlagert' es mit Roß und Mann
und schoß und rannte drauf und dran.

Und als das Städtlein widerstand
trotz allen seinen Nöten,
da ließ er, hoch von Grimm entbrannt,
den Herold 'nein trompeten:
ihr Schurken, komm ich 'nein, so wißt,
[soll hängen, was ein Mannsen ist]1.

Drob, als er den Avis also
hinein trompeten lassen,
gab's lautes Zetermordio
zu Haus und auf den Gassen. 

Das Brot war teuer in der Stadt;
Doch teurer noch war guter Rat.
"O weh mir armen Korydon!
o weh mir!" die Pastores
schrie'n: Kyrie eleison!
wir geh'n, wir geh'n kapores!
o weh mir armer Korydon!
es juckt mir an der Kehle schon."

Doch wenn's Matthä' am Letzten ist,
trotz Raten, Tun und Beten,
so rettet oft noch Weiberlist
aus Ängsten und aus Nöten. 

Denn Pfaffentrug und Weiberlist
geh'n über Alles, wie ihr wißt.
Ein junges Weibchen Lobesan,
seit gestern erst getrauet,
gibt einen klugen Einfall an,
der alles Volk erbauet,
den ihr, sofern ihr anders wollt,
belachen und beklatschen sollt.
Zur Zeit zur stillen Mitternacht
die schönste Ambassade
von Weibern sich ins Lager macht
und bettelt dort um Gnade. 

Sie bettelt sanft, sie bettelt süß,
erhält doch aber Nichts als dies:

"Die Weiber sollen Abzug han
mit ihren besten Schätzen;
was übrig bliebe, wolle man
zerhauen und zerfetzen."
Mit der Kapitulation
schleicht die Gesandtschaft trüb davon.
Drauf, als der Morgen bricht hervor,
gebt Achtung! was geschiehet?
Es öffnet sich das nächste Tor,
und jedes Weibchen ziehet
mit ihrem Männchen schwer im Sack,
so wahr ich lebe! Huckepack!

Manch Hofschranz suchte zwar sofort
das Kniffchen zu vereiteln. 
Doch Konrad sprach: "ein Kaiserwort
soll man nicht dreh'n noch deuteln. 
Ha bravo! rief er, bravo so!
Meint' unsre Frau es auch nur so!"

Er gab Pardon und ein Banket [sic],
den Schönen zu gefallen;
da ward gegeigt, da ward trompet't,
und durchgetanzt mit allen,
wie mit der Burgemeisterin,
so mit der Besenbinderin.
Ei, sagt mir doch, wo Weinsberg liegt?
Ist gar ein wackres Städtchen;
hat treu und fromm und klug gewiegt,
viel Weiberchen und Mädchen. 

Ich muß, [kömmt]2 mir das Freien ein,
führwahr! muß Eins aus Weinsberg frei'n.

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1 André: "Soll hängen, was die Wand bepißt."
2 André: "fällt"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

  • possibly by Johann Anton André (1775 - 1842), "Die Weiber von Weinsberg", note: score says only "Johann André" - the particular André chosen for attribution is an educated guess based on the look of the engraving [ sung text checked 1 time]

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

This text was added to the website: 2008-06-24
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