Ich fand den schönsten der Bäche
Language: German (Deutsch) 
Ich fand den schönsten der Bäche
In fernem einsamen Walde.
Ich ging ihm immer nach;
Und immer war er schön.

Oft wurd' ihm, wo er wanderte,
Sein Wellchen oben weiß.
Er hatte kleine Strudel,
Wie Grübchen im Kinn. 

Sein Rauschen war Gelispel,
Er murmelte;
Es waren keine Worte,
Und ich verstand ihn doch. 

Die Vögel sahen sich gern
In meinem Bache;
Sie hingen am dünnsten Gesprösse,
Und blickten hinab. 

Schön war er, und immer und immer
Ging ich am grünen Ufer ihm nach. 
Doch ach, auf Einmal verschwand er
In eine Felsenkluft! 

Nun legt' ich traurig die Reusen, 
Zog traurig das Netz!
Verschwunden war mein schöner Bach,
Frischte den Müden nicht mehr. 

Ich fand ihn wieder, ich fand ihn! 
Er kam aus der Kluft hervor!
Dort hat er lang sich gekrümmt, und gewunden,
Hatte Wehmuth gerauscht. 

Ich fand ihn wieder, ich fand ihn! 
Nun geh ich von neuem ihm nach,
Höre sein süßes Gelispel, und sehe
Die kleinen Strudel, die Grübchen im Kinn.

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Confirmed with Klopstocks sämmtliche Werke, zehnter Band (Volume 10), Leipzig: Georg Joachim Göschen, 1823, pages 246 - 247.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2018-07-06
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