Der Deserteur
Language: German (Deutsch) 
Zu Straßburg auf der langen Brück',
da stand ich eines Tag's,
nach Süden wandt' ich meinen Blick!
In grauem Nebel lag's.
Da dacht' ich mir, dahinter liegt,
in wunderbarem Reiz
mit seinen Almen, seinen Höh'n
dein Vaterland, die Schweiz!

Und wie ich's dacht', und wie ich's sann,
da zog ein Knab' vorbei,
der blies in's traute Alpenhorn
der Heimath Melodey.
Da ward mir's kalt, da ward mir's warm!
Rasch sprang ich in die Fluth.
Hinauf den Rhein mit starkem Arm,
schwamm ich mit frischem Muth!

Hätt' mich nicht der Sergeant geseh'n
da hätt' es keine Noth,
jetzt haben sie mich eingebracht,
und schießen heut mich todt.
O liebe Herren, glaubt mir dieß,
mich zog ein süßer Ton;
der Knabe, der das Alphorn blies,
der trägt die Schuld davon.

Nun führt hinaus mich vor das Thor,
und meßt die fünfzehn Schritt'
und schießet wacker, doch zuvor,
gewährt mir eine Bitt!
Blas't mir das Alphorn [noch einmal]1,
in wunderbarem Reiz,
und dann grüßt mir viel tausendmal
mein Heimathland, die Schweiz!

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1 Hackel: "einmal noch"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Harry Joelson

This text was added to the website: 2009-01-23
Line count: 32
Word count: 168