by Anonymous / Unidentified Author

Der Sänger
Language: German (Deutsch) 
Es ziehet der Sänger wohl über die Flur,
die Laute in der Hand;
er hat keinen Weg, er hat keine Spur,
folgt seinen blinkenden Träumen nur
durchs ferne, weite Land.

Sieh dort, da glänzet im Sonnenschein
ein stattliches Schloss am Wald;
der Sänger soll mir willkommen sein,
lasst mir den freundlichen Sänger herein,
dass Lied und Sang erschallt.

Und der Sänger tritt vor die Ritter und Herr'n,
die Laute in der Hand;
wohl stimmt er die Laute, wohl säng' er gern,
doch das Burgfräulein, das stehet von fern,
die schaut er unverwandt.

„Herr Ritter, kann Euch nicht singen heut',
lasst mich nur weiter zieh'n.”
Drauf Rittern und Herr'n den Gruß er beut,
es neigt sich errötend die rosige Maid
und blickt verstohlen auf ihn.

Und der Sänger, wohl ziehet er über die Flur,
die Laute in der Hand;
er hat keinen Weg, er hat keine Spur,
folgt seinen blinkenden Träumen nur
durchs ferne, fremde Land.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2020-06-02
Line count: 25
Word count: 155