Es naht in stiller Feier
Language: German (Deutsch) 
Es naht in stiller Feier
Der holde Abend sich
Ein bläulich - düstrer Schleier
Umfließt ihn schauerlich;
An seiner Stirne glänzet
Der helle Abendstern,
Und seine Schläfe kränzet
Die Majestät des Herrn.

Ein leichter West durchbebet
Den blüthenreichen Baum,
Und sanfte Kühlung schwebet
Im dufterfullten Raum;
Es klagt mit bangem Sehnen
Im nahen Wiesenthal,
In liebevollen Tönen
Einsam die Nachtigall.

Und stille Schatten schweben
Schon aus dem jungen Hain
So schauerlich, und weben
Die Flur in Dunkel ein.
Es naht mit leisen Schritten
Der Nacht geliebter Sohn,  
Die Erde zu beschütten
Mit seinem süßen Mohn. 

So schlummert denn, ihr Müden,
In safter süßer Rast,
Umwebt von stillem Frieden,
Nach harter Tageslast! 
Und steigt die Morgensonne   
Empor aus blauer Fluth,
Dann lach' euch neue Wonne
So schön wie ihre Gluth! 

Welch heiliges Erbeben
Durchschauert meine Brust,
Den trunknen Geist zu heben
Zu nie gefühlter Lust!
Wiegt einst des Lebens Abend
Mich sanft in Schlummer ein;
Wie wonnevoll und labend
Wird das Erwachen sein! 

About the headline (FAQ)

Confirmed with Deutscher Dichtung, Zweite Abtheilung: von Goethe und Schiller bis auf die Gegenwart, ed. by Karl Gödeke, Leipzig: Hahn'sche Verlagsbuchhandlung, 1849, page 241.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

Text added to the website: 2016-10-01 00:00:00
Last modified: 2016-10-01 17:08:14
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