by Karl Friedrich Müchler (1763 - 1857)

An Lina
Language: German (Deutsch) 
Dein gedenk' ich, röthet sich der Morgen,
  Dein gedenk' ich, flieht der junge Tag,
Und dir folgen all' die bittern Sorgen
  Meiner hoffnungslosen Liebe nach!

Dein gedenk' ich, wenn zu bessern Sphären
  Mich der Andacht Seraphsschwinge hebt,
Und die unschuldvollste aller Zähren
  In dem kummervollen Auge bebt.

Dein gedenk' ich, fleht auf wunden Knieen
  Edle Reu' Verzeihung oder Tod;
Und die Wangen, die aus Andacht glühen,
  Färbt die Liebe noch ein Mahl so roth.

Dein gedenk' ich, wenn ich weinend bethe:
  Daß sich täglich mein Vergehen häuft;
Dein gedenk' ick an der Grabesstätte,
  Wo im Staube die Verklärung reist. 

Wenn ich noch so mächtig kämpf' und streite
  Denk' ich deiner. -- Selbst am Hochaltar,
Selbst an eines frommen Priesters Seite
  Stellt sich mir dein himmlisch Bildniß dar.

Blutig steht es hier in diesem Herzen,
  Feurig steht es hier in dieser Brust; 
Weh' mir, weh! -- die Quelle meiner Schmerzen,
  Wohl mir, wohl! -- die Quelle meiner Lust.

Nun so will ich immer dein gedenken,
  Immer dein gedenken für und für,
Will dir alles, Ruh' und Leben schenken,
  Und dein Bild sey zwischen Gott und mir.

Aber wenn ich dann auch ausgelitten,
  Und mein Körper der Vernichtung Raub,
Magst du Ruh' für meinen Geist erbitten,
  Und ein kühles Grab für meinen Staub.

H. Nägeli sets stanzas 1, 4, 2-3, 7

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

Text added to the website: 2010-06-23 00:00:00
Last modified: 2016-12-09 19:51:27
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