possibly by August Ernst, Freiherr von Steigentesch (1774 - 1826)

Fern von der Heimath, wo mir bei dem...
Language: German (Deutsch) 
Fern von der Heimath, wo mir bei dem Tone
Froher Gespielen das Leben entschlich,
Unter dem blühenden Dach der Zitrone
Denk' ich, verlassene Heimath, an Dich. 

Zwar mit nie welkenden Kränzen umschlingen
Blüthen und Früchte die südliche Flur,
Ewig entschwebt hier mit gläzenden Schwingen
Lächelnd ein Frühling der Hand der Natur. 

Und wo die Berge der Heimath entsteigen
Schlafen die Blumen, kaum sind sie geweckt,
Und die Gebüsche der Nachtigall schweigen,
Kalt von der Flocke des Winters bedeckt. 

Aber die Blumen entkeimten und schwanden
Dort von dem Hauch meiner Kindheit berührt,
Wo die Gebilde der Täuschung entstanden,
Die uns die zürnende Wahrheit entführt. 

Unter den kräftigen, schattigen Bäumen
Lauschte dem ersten Vertrauen mein Ohr,
Und meine Zukunft mit blühenden Träumen
Stieg dort am Grabe der Väter empor.

In des Zitronenhains goldenen Wogen
Lächeln und täuschen uns Hoffnung und Glück,
Und um den Frieden der Seele betrogen
Sehn wir getäuscht nach der Heimath zurück.

About the headline (FAQ)

Confirmed with August Ernst, Freiherr von Steigentesch, Marie. Ein Roman. Zweiter Theil, Gießen: Georg Friedrich Heyer, 1812, pages 42 - 43. The text might be a quotation of a poem by another person, but it has not yet been located anywhere else so we are tentatively crediting it to the author of the novel.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2019-03-19
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