Sechs Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte

Song Cycle by Sigismund von Neukomm (1778 - 1858)

Word count: 1035

1. Hoffnung und Erinnerung [sung text not yet checked]

Mir blüht eine Stelle, die weiht ein Altar; 
Da wandelt ein heimliches Wehen; 
Da ließen, mit festlichen Kronen im Haar, 
Erinnrung und Hoffnung sich sehen.

Die Hoffnung, im morgendlich/blühenden Kranz, 
Schien ernst, wie der heilige Wille; 
Und sie, die Erinnrung, umleuchtete Glanz 
Der abendlich dämmernden Stille.

Die Hoffnung lispelt': "Ich durfte durchs Land
Der seligen Träume dich leiten;
Itzt nimm die Erinnrung, ihr reiche die Hand!
Sie möge dich fürder begleiten!

"Verdanke mir immer den rosigen Sinn
Der Stunden, voll Leben und Lieder,
Leb wohl! was geblühet hat, ist nun dahin!
Am Grabe dort siehst du mich wieder!" 

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Heimweh [sung text not yet checked]

Fern von der Heimath, wo mir bei dem Tone
Froher Gespielen das Leben entschlich,
Unter dem blühenden Dach der Zitrone
Denk' ich, verlassene Heimath, an Dich. 

Zwar mit nie welkenden Kränzen umschlingen
Blüthen und Früchte die südliche Flur,
Ewig entschwebt hier mit gläzenden Schwingen
Lächelnd ein Frühling der Hand der Natur. 

Und wo die Berge der Heimath entsteigen
Schlafen die Blumen, kaum sind sie geweckt,
Und die Gebüsche der Nachtigall schweigen,
Kalt von der Flocke des Winters bedeckt. 

Aber die Blumen entkeimten und schwanden
Dort von dem Hauch meiner Kindheit berührt,
Wo die Gebilde der Täuschung entstanden,
Die uns die zürnende Wahrheit entführt. 

Unter den kräftigen, schattigen Bäumen
Lauschte dem ersten Vertrauen mein Ohr,
Und meine Zukunft mit blühenden Träumen
Stieg dort am Grabe der Väter empor.

In des Zitronenhains goldenen Wogen
Lächeln und täuschen uns Hoffnung und Glück,
Und um den Frieden der Seele betrogen
Sehn wir getäuscht nach der Heimath zurück.

Authorship

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Confirmed with August Ernst, Freiherr von Steigentesch, Marie. Ein Roman. Zweiter Theil, Gießen: Georg Friedrich Heyer, 1812, pages 42 - 43. The text might be a quotation of a poem by another person, but it has not yet been located anywhere else so we are tentatively crediting it to the author of the novel.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

3. Der Fischer [sung text not yet checked]

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Theilt sich die Fluth empor;
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.

[Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm]1:
Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in [Todesgluth]2?
Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du [stiegst]3 herunter wie du bist
Und würdest erst gesund.

Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenathmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das [feuchtverklärte]4 Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in [ew'gen]5 Thau?

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Netzt' ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so [sehnsuchtsvoll]6
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war's um ihn geschehn:
Halb zog sie ihn, halb sank er hin,
Und ward nicht mehr gesehn.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "El pescador", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • CZE Czech (Čeština) (Karel Dostál-Lutinov) , "Rybář", first published 1917
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De visser", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "The fisherman", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le pêcheur", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • GRE Greek (Ελληνικά) [singable] (Christakis Poumbouris) , "Ο ψαράς", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Il pescatore", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • TUR Turkish (Türkçe) (Gül Sabar) , "Balıkçı", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Erster Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cottaschen Buchhandlung, 1827, pages 185-186; and with Johann Gottfried Herder's Volkslieder. Nebst untermischten andern Stücken. Zweyter Theil. Leipzig, in der Weygandschen Buchhandlung, 1779, pages 3-4.

First published in Volks- und andere Lieder, mit Begleitung des Forte piano, In Musik gesetzt von Siegmund Freyherrn von Seckendorff. Weimar, bey Karl Ludolf Hoffmann. 1779, pages 4-5.

Note: The title in Herder's "Volkslieder" is "Das Lied vom Fischer".

1 First editions (Seckendorff, Herder): "Sie sang zu ihm und sprach zu ihm"; Vesque von Püttlingen: "Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm"
2 First editions (Seckendorff, Herder): "Todes Glut"
3 First editions (Seckendorff, Herder): "kämst"
4 First editions (Seckendorff, Herder): "feucht verklärte"
5 Seckendorff: "ewgem"
6 First editions (Seckendorff, Herder): "sehnensvoll"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

4. Gott grüßt manchen, der ihm nicht dankt [sung text not yet checked]

Gott grüßt manchen, der ihm nicht dankt. Z.B. wenn dich früh die Sonne 
zu einem neuen kräftigen Leben weckt, so bietet er dir: Guten Morgen. 
Wenn sich abends dein Auge zum erquicklichen Schlummer schließet: 
gute Nacht. Wenn du mit gesundem Appetit dich zur Mahlzeit setzest, 
sagt er: wohl bekomm's. Wenn du eine Gefahr noch zu rechter Zeit entdeckst, 
so sagt er: Nimm dich in acht, junges Kind, oder altes Kind, 
und kehre lieber wieder um. Wenn du am schönen Maitag im Blütenduft 
und Lerchengesang spazierengehst, und es ist dir wohl, sagt er: 
Sei willkommen in meinem Schloßgarten. Oder du denkst an nichts, 
und es wird dir auf einmal wunderlich im Herzen, und naß in den Augen, 
und denkst, ich will doch anders werden, als ich bin, so sagt er: 
Merkst du, wer bei dir ist? Oder du gehst an einem offnen Grab vorbei, 
und es schauert dich, so denkt er just nicht daran, daß du lutherisch 
oder reformiert bist, und sagt: Gelobt sei Jesus Christ! 
Also grüßt Gott manchen, der ihm nicht antwortet und nicht dankt.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. An die Zeit [sung text not yet checked]

Es war eine Zeit, da lachte mich dies Leben
In holder Frühlingsschönheit an.
Dahin ist die Zeit, wo all' mein Seyn und Streben
In Geistesseligkeit zerrann!

Es war eine Zeit, da mir im Menschenherzen
Nur Huld und Lieb' entgegen schlug.
Dann kam eine Zeit, -- wie könnt' ich sie verschmerzen?
Was Huld und Liebe schien, -- war Trug!

Da fühlte mein Geist den tiefsten, bängsten Kummer,
Und kehrt' in sich den düstern Blick; 
Doch rief meinen Geist aus starrem Seelenschlummer
Ein guter Genius zurück.

Der Genius sprach: "Ich bin der Geist der Liebe;
Ich weihe deine innre Ruh';
Doch werf' ich den Kranz aus Blüthen edler Triebe
Nur ihr, der sanften Duldung, zu."

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Die Elfenwand [sung text not yet checked]

   Am 27sten April 1816.

Tief im [Gebirg]1, am Tannenhain
Steigt aus dem Thal ein alter Stein;
Er schaut in's Land hinaus gar fern,
Ihm nahn die Menschen nimmer gern.

Dort spannt sein Netz der Efeu aus
Und wölbt ein schattig grünes Haus;
Am Rande schwillt das Moos so weich,
Tief rinnt die Quelle durch's Gesträuch.

[Dort]2 sitzt der Elf im Mondenstrahl
Und singt hinab in's dunkle Thal;
Wie Windeshauch, wie Glockenklang,
So schallt sein Lied das Thal entlang.

Wie einsam ist es auf den Höhn!
Wie schaurig hier die Winde wehn!
Dumpf rauscht der wilde Bach herauf,
Und sucht durch's Dunkel seinen Lauf.

Ich schau' hinab den Bergespfad,
Ob nicht ein Menschenkind sich naht!
Doch Alle ziehen fort ins Land
Und scheun sich vor der Elfenwand.

Der Ärmste, der die Felder baut,
Hält sicher dort im Arm die Braut,
Der Schäfer weiß die Trift, den Bach,
Wo seine Liebste weiden mag.

Sie grüßen sich mit Hand und Blick,
Sie geben Wort und Kuß zurück;
Sie drehn sich froh im bunten Reihn,
Ich sitze traurig und allein.

Ich habe Blumen, roth und blau,
Die glänzen schön von frischem Thau;
Ich habe Gold, so rein und licht,
Und nur die Liebe hab' ich nicht.

Und keine freut sich meiner Kraft,
Wenn sie in Höhn und Tiefen schafft;
Der Sturm nur jauchzt auf meinen Ruf,
Die Blume weiß nicht, wer sie schuf.

Was soll ich winden Kranz und Strauß,
Bleibt ewig mir die Liebste aus?
Was soll ich hüten all mein Gold,
Wird drum kein treues Herz mir hold?

O Liebesflamme, Liebeslust,
Nie wärmst du meine wilde Brust!
Das blüh'nde Lebe, weich und warm,
Ruht kalt im luft'gen Geisterarm.

Und spiegelt auch im tiefen Quell
Mein Bild sich schön und mondenhell,
Heran, du Nacht und Nebelwehn!
Ich mag mein Bild nicht länger sehn.

So singt der Elf im Dämmerstrahl;
Sein Lied verhallt im dunkeln Thal;
Dann spannt er seine Flügel aus
Und füllt die Nacht mit Sturm und Graus.

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1 Neukomm: "Gebirge"; further changes may exist not noted above.
2 Hertzberg: "Es"; further changes may exist not noted above.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]