by Robert Hamerling (1830 - 1889)

Lebenslied
Language: German (Deutsch) 
O himmlische Wonne des Lebens,
  Urewig blühend und hold,
Hoch über der Öde des Abgrunds
  Hältst du dein Banner entrollt,
Und strömst im Glanze der Sonnen,
  Im rosigen Lichte des Seins,
Mit dunklen Todeswonnen 
  Geheimnißvoll in Eins.

O holdes Wiegen und Wallen,
  O sel'ges Streben und Ruh'n,
O jauchzendes Steigen und Fallen,
  O süßes Träumen und Thun!
O du schimmernde Lebenshelle, 
  O du selige Todesnacht --
Auf wechselnder Daseinswelle
  Wie faß' ich alle die Pracht?

Ich möchte wonnig gerne
  In jeder Blume blüh n,
Ich möcht' in jedem Sterne
  Des Himmels selig glüh'n;
Auf den Schwingen jedes Falters
  Möcht' ich gaukeln durchs blumige Grün,
Und im Wirbel des Lerchenpsalters
  Hinsterben in Melodie'n.

Ich möchte mit allen Wellen
  Mich berauschen im Sonnenglanz,
Und in Schaumesfunken zerschellen
  Im jauchzenden Sturmestanz. 
Ich möchte mit allen Gewittern
  Hinzieh'n über Berg und Thal, 
Und mit jeder Eiche zersplittern
  Die berührt der himmlische Stral.

O flössen in mir zusammen
  Die Ströme des Lebens all -- 
Um, vereint in seligen Flammen
  Aufsprühend allzumahl,
Das süße Leben zu trinken
  Im goldenen Morgenroth,
Und vereint in den Schooß zu sinken
  Dem noch viel süßeren Tod.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

  • by Eduard Lassen (1830 - 1904), "Lebenslied", op. 67 (Sechs Lieder für 1 Singstimme mit Pianofortebegleitung) no. 5, published 1879 [voice and piano], Breslau, Hainauer [
     text not verified 
    ]

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website: 2010-09-29 00:00:00
Last modified: 2014-06-16 10:04:01
Line count: 40
Word count: 184