by Gottfried Benn (1886 - 1956)
Du mußt dir alles geben
Language: German (Deutsch)
Gib in dein Glück, dein Sterben, Traum und Ahnen getauscht, diese Stunde, ihr Werben ist so doldenverrauscht, Sichel und Sommermale aus den Fluren gelenkt, Krüge und Wasserschale süß und müde gesenkt. Du mußt dir alles geben, Götter geben dir nicht, gib dir das leise Verschweben unter Rosen und Licht, was je an Himmeln blaute, gib dich in seinen Bann, höre die letzten Laute schweigend an. Warst du so sehr der Eine, hast das Dumpfe getan, ach, es zieht schon die reine stille gelöschte Bahn, ach, schon die Stunde, jene leichte im Spindellicht, die von Rocken und Lehne singend die Parze flicht. Warst du der große Verlasser, Tränen hingen dir an, und Tränen sind hartes Wasser, das über Steine rann, es ist alles vollendet, Tränen und Zürnen nicht, alles wogengeblendet dein in Rosen und Licht. Süße Stunde. O Altern! Schon das Wappen verschenkt: Stier und Fackelhaltern und die Fackel gesenkt, nun von Stränden, von Liden, einem Orangenmeer tief in Schwärmen Sphingiden führen die Schatten her. Gabst dir alles alleine, gib dir das letzte Glück, nimm die Olivenhaine dir die Säulen zurück, ach, schon lösen sich Glieder und in dein letztes Gesicht steigen Boten hernieder ganz in Rosen und Licht.
P. Hindemith sets stanza 2
Text Authorship:
- by Gottfried Benn (1886 - 1956) [author's text checked 1 time against a primary source]
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- by Paul Hindemith (1895 - 1963), "Du mußt dir alles geben", copyright © 1930, stanza 2 [ men's chorus a cappella ], Mainz : Schott [sung text checked 1 time]
Researcher for this page: Harry Joelson
This text was added to the website: 2011-01-06
Line count: 48
Word count: 198