by Johann Gabriel Seidl (1804 - 1875)

Der kleine Wanderer
Language: German (Deutsch) 
Im Wintersturm, auf ödem Pfad geht still ein Knabe dort;
wie er so einsam weiterzieht, rinnt stets die Thräne fort;
da fällt auf düst'res Immergrün ein milder Sonnenblick,
und lichter kehrt der Hoffnung Strahl dem Trauernden zurück.

Sieh Vater, dort im Himmelszelt, voll Huld' auf mich herab:
Lieb' Väterchen, lieb' Mütterlein deckt ja schon kühles Grab;
und ach! mein Ziel ist wohl noch weit, wer leitet meine Bahn?
fromm wie Tobias will ich sein, dann wird ein Engel nah'n!

Kein Himmelsbote zeiget sich am rauhen Dornenweg,
der Knab' erspäht kein Obdach rings, und dunkler wird der Steg:
nur tief im Innern bleibt es Licht, als wenn's von oben käm';
den nächsten Wand'rer spricht er an, daß er ihn mit sich nähm'.

Im Wintersturm, auf rauhem Pfad geht wohl ein Knabe dort,
weithin zurück der Forst erbraust, es rinnt die Thräne fort;
doch Freudenthau die Wang' ihm näßt, er spricht, an Dank so reich:
wer hier auf Erden Mitleid übt, erscheint den Engeln gleich!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Harry Joelson

This text was added to the website: 2011-03-01
Line count: 16
Word count: 163