by Otto Hausmann (1837 - 1916)

Walther von der Vogelweide
Language: German (Deutsch) 
Im Lorenzgarten zu Würzburg, da steht ein alter Baum,
drin zwitschern die Vögel und singen gar wunderholden Traum.
Und unter ihm, im Grabe, ruht still ein Sängersmann,
der oft im Kampf der Lieder den Siegespreis gewann.

Seine bleichen Lippen schweigen, aber oben, in den Zweigen, 
hört man lustig musizieren, tiliriren, jubilieren, voller Lust und Herzensfreude:
"Walther von der Vogelweide, edler Sänger, sei gegrüsst!"

Schweiftest einst auch durch das Land mit der Laute in der Hand,
schöpfend aus der Schönheitsquelle, froh, ein fahrender Geselle! 
Hell erklangen deine Weisen Gutes, Herrlichkeit zu preisen, 
Frühlingslust und Sonnenschein zog mit deinen Liedern ein!

Hehrer Minne Lust und Schmerz hat voll Gluth bewegt dein Herz,
und kein bess'rer Mann erstand in deutschem Vaterland!
Immer für das Rechte stehend, nur den Pfad der Ehre gehend,
kämpftest offen du und frei stets gen Trug und Heuchelei!

Deiner hohen Sendung Werth, war dein Lied ein Blitz, ein Schwert!
Aber auch uns Sangesgenossen hattest du in's Herz geschlossen,
pflegtest uns zur Winterszeit, wenn lag Wald und Flur verschneit!

Drum wir unsern Dank dir bringen dar mit Jubeln und mit Singen, 
voller Lust und Herzensfreude: Walther von der Vogelweide, 
edler Sänger, sein gegrüsst! Unten still der Todte lauschet, 
oben webet es und rauschet wie Gedanken ferner Zeit.

Walther's ewig junge Lieder, bringen uns die Vöglein wieder,
um sie schwebt Unsterblichkeit!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Frank Rauchenecker

This text was added to the website: 2011-05-02
Line count: 24
Word count: 220