by Adelbert von Chamisso (1781 - 1838)

Am Rosenhag im Thal, am Quell der Linden
Language: German (Deutsch) 
Er.
 Am Rosenhag im Thal, am Quell der Linden, 
 Da haben meine Lieder oft gerauscht; 
 Sie hofften gläubig, Widerhall zu finden; 
 Hast, Widerhall, den Liedern du gelauscht, 
 Und ahnungsvoll gebebt bei ihrem Klange? -

 Lange!

 Geahnet hättest du, daß ich dich meinte, 
 Und dich in Schmerz und Lust mit mir vereint? 
 Und hättest bald, wenn ich verzagend weinte,
 Betrübet und verzagend auch geweint? 
 Und bald gehofft, wann ich ermutigt hoffte? -

 Ofte!

 Du kennst das unbegriff'ne bange Sehnen, 
 Den Widerstreit in der bewegten Brust? 
 Den Hochgesang der Freuden und die Thränen, 
 Den liebgehegten Schmerz, die herbe Lust? 
 Der Hoffnung Honigseim, des Zweifels Galle? --

 Alle!

 Wohlan! Ich werde geh'n, mein Haus zu bauen: 
 Sei fest, wie ich es bin, gedenke mein. 
 Den dreien Sternen will ich fest vertrauen,
 Die dort der Liebe geben ihren Schein; 
 Und wirst auch du vertrauen ihrem Schimmer? --

 Immer!

 So lebe wohl, du Seele meiner Lieder, 
 Und nur auf kurze Zeit verstumme du,
 Gar bald erweckt dich meine Stimme wieder,
 Dann rufen wir es laut einander zu,
 Was ungesagt verschwiegen nicht geblieben, --

 Lieben!

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2011-07-23
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