by Nikolaus Lenau (1802 - 1850)

An meine Guitarre
Language: German (Deutsch) 
Guitarre, wie du hängst so traurig! 
Die Saiten tönen nimmermehr, 
Die längst zerrißnen wanken schaurig 
Im Abendwinde hin und her.  

Auch deine Saiten sind zerrissen, 
Es schweigt dein süßer Liederklang, 
Seit in des Busens Finsternissen 
Mir jede frohe Saite sprang.  

Mir sank der Freund voll Jugendblüte 
Hinunter in die Todesflut!  
Die meiner Lieb' entgegenglühte, 
Nun bei den kalten Toten ruht. 

Doch will ich euch nun frisch besaiten, 
Dich, meine Leier!  dich, mein Herz 
Rückbannen die entflohnen Zeiten, 
Die alte Lust, den alten Schmerz. 

Hinaus ins Dunkel jener Eichen! 
Dort findet sich der alte Lauf; 
Dort stören wir die Liederleichen 
Aus ihren stillen Gräbern auf.  

Wenn erst die Lieder nur erwachen, 
Dann ruft, dann zieht ihr lauter Chor 
Die Lieben all' in meinen Nachen 
Aus dunkler Todesflut empor.  

Es klingt!  --  doch fliehn im scheuen Fluge 
Die Töne auf von meiner Hand; 
So eilt, verspätet, nach dem Zuge 
Das Vöglein übers Heideland. 

Jetzt bin ich meines Herzens Meister! 
Nun rauscht wie einst der Sturmakkord! 
Schon springen die versunknen Geister 
Herauf, herauf an meinen Bord!  

O du, mein Freund, so treu und bieder! 
Wohl mir, du bist mir wieder nah! 
Dein süßes Wort auch hör' ich wieder: 
Mein holdes Mädchen, bist du da?  --  

Doch nein!  mich höhnten finstre Mächte! 
Wo ist der Freund?   das blonde Kind?  
Der Nebel reicht mir keine Rechte;
Durch blonde Disteln saust der Wind!  

Confirmed with Lenau's Gedichte, Stuttgart: Carl Krabbe, 1902, pages 33 - 35. Appears in Erstes Buch, in Erinnerung.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

Text added to the website: 2020-02-02 00:00:00
Last modified: 2020-02-09 19:23:00
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