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by Emanuel von Geibel (1815 - 1884)

Um Mitternacht
Language: German (Deutsch) 
Im Saal gedankenvoll
Saß ich bei Lampenschein;
Durch's offne Fenster quoll
Die Sommernacht herein.

Dein Bild, von treuer Hand
Geschmückt mit frischem Kranz,
Sah von der dunkeln Wand
Mich an im Dämmerglanz.

Da, auf der Sehnsucht Pfad
Vertiefte sich mein Sinn,
Und himmlisch leuchtend trat
Dein Wesen vor mich hin;

Ach, wie du lilienrein
Nie nach dem Deinen frugst,
Und lächelnd selbst die Pein
Wie eine Heil'ge trugst.

Und überm Abgrund dann,
Dem düstern, Tod und Grab,
Hing mein Gedank' und sann
In seine Tief' hinab.

Werd' ich dich wiedersehn?
Kann je, was Liebe hier
Erwarb, verloren gehen?
Und weißt du noch von mir?

O gib mir, hast du Macht,
Ein Zeichen noch so stumm! -
Da schlug es Mitternacht
Und zaudernd blickt' ich um.

Ein süßes Duften flog
Vom Kranz, der zitternd hing,
Und um die Lampe zog
Ein weißer Schmetterling.

Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2011-10-07
Line count: 32
Word count: 142