Herr Olaf 
Language: German (Deutsch) 
Was gehst du, Herr Olaf, so ganz allein
In den dunklen Wald beim Mondenschein? 
Hörtest du von dem Mädchen nicht,
Das einsam wandelt im Mondenlicht? 
Mit weißem Leib und süßem Kuß,
Und wer sie begegnet, sterben muß.  -- 
Der Wald ist tief, die verschlaf'nen Fichten
Flüstern und träumen von alten Gesichten.  -- 

Herr Olaf wandelt mit traurigem Sinn
Auf einsamem Pfad zu den Tannen hin. 
Da flüstern im Grunde die Tannen leis',
Und es huscht durch die Zweige schneeigweiß;
Herr Olaf lauscht mit süßem Beben
Und sieht heran das Waldkind schweben:
Den Nacken von goldigen Locken umwallt,
Ein Schleier verhüllt die süße Gestalt.  -- 

So steht sie vor ihm, stumm und bleich,
Im Auge meertiefes Himmelreich.
"Und wenn ich verderben und sterben muß!
Ich trinke vom Munde dir süßen Kuß!"
Herr Olaf rief's mit heißem Begehren:  -- 
Nie sahen die Menschen ihn wiederkehren.

Confirmed with Felix Dahns sämtliche Werke poetischen Inhalts, band XVIII, Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1904. Appears in Gedichte von Felix Dahn, dritter Band / Gedichte, vierte Sammlung, Felix und Therese Dahn, in Episches, in 2. Von Therese Dahn, pages 97 - 98.

Note: some catalogs indicate the author of this text as "Th. Draum"


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

Text added to the website: 2019-03-17 00:00:00
Last modified: 2019-03-17 17:19:43
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