by Friedrich Wilhelm von Hoven (1759 - 1838)

Ossians Sonnengesang
Language: German (Deutsch) 
O die du rund, wie meiner Väter Schild,
Wandelst Sonne, Sonne dort oben, woher deine ewig Licht?
Von wannen quillt dein Strahlenstrom?
Mit Majestät erhaben trittst du herfür.
Da zittern zurück
Die dunklen Gestirne vom tagenden Himmel;
Frostig bleich fliehet der Mond, ins Abendwelten Gewimmel,
Finster vor deinem allherrschenden Blick. 

Einsam gehst du, angetan mit Lichte;
Wer in deinem Lauf giebt dir Geleit?
Von den Bergen stürzt die stolze Fichte,
Berge selbst zerstäuben vor der Zeit.
Gen Himmel steigt und niederfällt das Meer;
Aber du jauchzest unwandelbar herrlich daher.
Wenn durchs Dunkel zucken die Blitze,
Wenn Orkane heulen, durch die Felsenritze,

Hagel regnet, wenn der Donner kracht,
Und die Welt der Sturm begräbt in Nacht;
Schauest du aus deiner Wolkenwiege,
Lächelst du der Elemente Kriege.
Aber ach! für Ossian vergebens
Lächelst du, du Quelle alles Lebens;
nimmer sieht er deinen goldnen Strahl
Niederfliessen in das Morgental,

Nimmer dich umrauscht von Wellenschwarme 
Niederwiegen in des Abends Arme.
Doch o Sonne, wirst auch du vielleicht
Sonne ach! wie Ossian verschwinden?
Daß auch deine Jugendkraft entweicht,
Daß auch einstens deine Tage enden,
Daß du schläfst in deiner Wolkengruft,
Hörest nimmer, wenn der Morgen ruft.

O so freu dich deiner Jugendschöne;
Bleich und unhold ist des Alters Miene,
Düster, wie wenn Mondenlicht
Durch zerissne Winterwolken bricht,
Wenn hinauf der Nebel strömt am Hügel,
Durch die Ebne rasselt Nordwinds Flügel,
Und in Mitte seiner Fahrt
Der Wanderer erstarrt.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
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