Roman
Language: German (Deutsch) 
Der Wildbach bricht sich schämend Bahn
Durch dunkle Waldesreiche.
Am Ufersrand  --  wer hat's gethan?  -- 
Liegt eine blasse Leiche; 
Das weiße Kleid, das lose Haar
Wohl hängt's tief in die Fluth hinein,
Wohl fließt die Welle silberklar,
Von Schuld und Schmerz wäscht sie nicht rein! 
Die Bäume warnten von Anbeginn,  
Nun rauschen sie klagend d'rüber hin! 

An rauhem Ort, im finstern Tann
Tief in Gestrüpp und Klippen,
Da harrt ein bleicher, grimmer Mann,  
Schneeweiß die bebende Lippen.
Er stützt sich stumm auf sein Gewehr;
Der Hirsch scheu durch die Föhren bricht,
Das kluge Reh zieht nah' einher,  
Er harrt und hebt die Waffe nicht.
Die Bäume wissen es wohl, warum!
Sie warten und lauschen ängstlich stumm. 

Im dürren Laub, horch!  Rosseshuf  -- 
Der Graf mit stolzem Trosse! 
Da gellt ein wüster Freudenruf  -- 
Ein Knall  --  er stürzt vom Rosse.
Ein Mann sprengt aus dem Hinterhalt
Starrt ihm in's brechende Aug' hinein,
Dann ruft er, daß es lustig schallt:
"Blut wäscht von Schuld und Schmerzen rein!" 
Die Bäume schüttelten sich vor Graus
Und flüstern die Mähr' jahrein, jahraus. 

Confirmed with Blätter aus Krain. Beilage zur Laibacher Zeitung, sechster Jahrgang, no. 44, ed. by J. v. Kleinmayr, Laibach: Ign. v. Kleinmayr & F. Bamberg, 1862. Appears in issue no. 44 dated 31 October 1862, page 177.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

Text added to the website: 2019-01-22 00:00:00
Last modified: 2019-01-22 19:28:27
Line count: 30
Word count: 174