Frühlingslüfte säuseln milde
Language: German (Deutsch) 
Frühlingslüfte säuseln milde 
Über blühende Gefilde, 
Balsam spendet jeder Hauch. 
Süßen Klang der Nachtigallen 
Aus dem Haine hört man schallen,
Und um jeden Baum und Strauch 
Wogt ein reiches, frohes Leben,
Worin Bien' und Vöglein schweben.
Auf den Wellen ziehen leise 
Schwäne ihre Silberkreise,
Und die Sonne ohne Glut 
Taucht sich in die kühle Flut.

Ach, wo finden diesen Frieden 
Wir im Menschen wol hienieden? --
Von den vielen Millionen,
Die auf unserm Erdball wohnen,
Wahrt kaum Einer ihn der Brust.
Aber dessen ganzes Leben 
Gleicht des Himmels ew'ger Lust.
   Milde verschweben,
   Friedensbewußt, 
Wird dereinst das Kind vom Frieden. 
Selig, wem dies Loos beschieden! --

Doch im Sturme untergehen 
Muß der Stürme wildes Kind.
Hörst du's durch den Eichwald wehen? 
Das ist nicht der Abendwind. --
Siehst den Himmel du in Gluten? 
Das ist nicht der Sonne Licht. --
Und die wilden Wasserfluten, 
Segen bringen diese nicht.
Vor des heißen Tages Flammen 
Sinken Blum' und Blatt zusammen,
Und das Wen'ge, was geblieben,
Wird vom Wirbelwind vertrieben.
     Dann wird's Nacht,
Wenn Zerstörung ist vollbracht. 
Und aus ungemeßner Ferne 
Schauen drein die heil'gen Sterne,
Und das Auge Gottes wacht.

Doch im Menschen bleibt die Spur 
Der verwüsteten Natur,
Wenn wir ihn auch nicht mehr sehen,
Zephyr' um die Stätte wehen,
Blumen duften süß und lind -- --
Doch im Sturme untergehen 
Muß der Stürme wildes Kind. 

About the headline (FAQ)

Confirmed with Gedichte von Ida Gräfin Hahn-Hahn, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1835, pages 41-42.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website: 2020-01-06 00:00:00
Last modified: 2020-01-06 17:22:05
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