Romanze
Language: German (Deutsch) 
Ich hatt' einst ein Blümchen, so lieblich und hold,
Wohl that ich das Blümchen versorgen;
Ich hütet' es baß, wie Demanten und Gold,
Und schaut' es am Abend und Morgen. 

Voll' Freude bemerkt' ich, wie schön es gedieh,
Doch währte die Freude nicht lange
Es senkte das Häuptchen und duftete nie:
Mir ward um das Blümchen so bange. 

Da kam einst ein Mädchen im Garten zu mir
Ich ließ es ja gerne geschehen;
Stolz hob sich das Blümchen, und prangte vor ihr,
Nie hatt' ich so schön es gesehen. 

Schnell bückt' sich das Mädchen und pflückt' es für sich,
Mir waren die Sinne geschwunden;
Nicht Worte, nicht Lieder beschreiben, was ich
Bei diesem Verluste empfunden. 

Ich konnte nicht klagen, doch thränenvoll hing
Mein Auge noch lang an der Stelle;
Da hört' ich ein Stimmchen, als wimmernd ich ging,
Es tönte so silbern und helle.  

Du pflegtest ein Blümchen zwar lieblich und schön,
Doch lohnt es die Pflege nur selten:
Denn Männertreu heißt es, meist wirst du es sehn
Die Liebe mit Undank vergelten.

Confirmed with Feldblumen auf Ungarns Fluren gesammelt von Nina und Theone, zweites Bändchen, Jena: bei J. G. Voigt, 1800, pages 48 - 49.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2017-08-23
Line count: 24
Word count: 173