by Heinrich Grünig (1781 - 1846)

Die letzte Loge
Language: German (Deutsch) 
Wenn die letzten der Sterne einst schimmern, 
Und die Zeit an dem Ende wird stehn,
Wenn die Welten um Welten zertrümmern
Und zu Grabe das Diesseits wird gehn,
O dann wird in die heiligen Hallen,
Wo die Maurer die Arbeit gethan,
Von dem Jenseits ein Rufen erschallen:  
Kommet, Brüder, der Morgen bricht an! 

Und in Osten, Süd, Westen und Norden
Alle Tempel eröffnen sich dann,
Und die Brüder im heiligen Orden
Schauen gläubig zum Osten hinan:
Schlingen alle, wo immer sie wohnen,
Eine Kette zum letzten Verein,
Und es wird dann durch jegliche Zonen
Eine Loge auf Erden nur sein.

Und der Meister von oben wird fragen: 
Habt ihr Maurer die Arbeit gethan? 
Und sie werden, vertrauend ihm, sagen: 
Sieh das Werk uns gnädiglich an;
Wie wir konnten in irdischen Hüllen,
Haben All' wir behauen den Stein,
Doch die Kraft nicht genügte dem Willen,
Laß der Schwäche den Willen gedeihn. 

Welche Zeit ist's?  wird weiter er fragen,
Und sie rufen:  hoch Mitternacht, dann,
Doch dein Morgen fängt an uns zu tagen,
Führe, Meister, zu ihm uns hinan; 
Und er winket, die Tempel zerfallen,
Und inwährend die Erde zerbricht
Und der Donner der Tiefen erschallen,
Ziehn die Brüder zum ewigen Licht.

Confirmed with Gedichte von Heinrich Grünig, Breslau: Richterschen Buchdruckerei, 1836, pages 334 - 335.


Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2017-10-25
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