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Drei Gesänge älterer deutscher Dichter für 1 Singstimme und Pianofortebegleitung

Word count: 385

Song Cycle by Richard Georg Strauss (1864 - 1949)

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1. An Sie


Zeit, Verkündigerin der besten Freuden,
Nahe selige Zeit, dich in der Ferne
Auszuforschen, vergoß ich
Trübender Thränen zu viel!

Und doch komst du! O dich, ja Engel senden,
Engel senden dich mir, die Menschen waren,
Gleich mir liebten, nun lieben
Wie ein Unsterblicher liebt. 

Auf den Flügeln der Ruh', in Morgenlüften,
Hell vom Thaue des Tags, der höher lächelt,
Mit dem ewigen Frühling,
Kommst du den Himmel herab.

Denn sie fühlet sich ganz, und gießt Entzückung
In dem Herzen empor die volle Seele,
Wenn sie, daß sie geliebt wird,
Trunken von Liebe, sichs denkt!


Confirmed with Klopstocks Oden. Erster Band. Leipzig bey Georg Joachim Göschen. 1798, pages 124-125; and with Oden von Klopstock. WIEN, gedruckt bey Joh. Thomas Edlen von Trattnern, k.k. Hofdruckern und Buchhändlern. 1784, pages 155-156.

Note: The title is An Cidli in the 1784 edition, and An Sie in the 1798 and subsequent editions.


2. Muttertändelei


Seht mir doch mein schönes Kind,
Mit den gold'nen Zottellöckchen,
Blauen Augen, roten Bäckchen!
Leutchen, habt ihr auch so eins?
Leutchen, nein, ihr habt keins!

Seht mir doch mein süßes Kind,
Fetter als ein fettes Schneckchen,
Süßer als ein Zuckerweckchen!
Leutchen, habt ihr auch so eins?
Leutchen, nein, ihr habt keins!

Seht mir doch mein holdes Kind,
Nicht zu mürrisch, nicht zu wählig!
Immer freundlich, immer fröhlich!
Leutchen, habt ihr auch so eins?
Leutchen, nein, ihr habt keins!

Seht mir doch mein frommes Kind!
Keine bitterböse Sieben
Würd' ihr Mütterchen so lieben.
Leutchen, möchtet ihr so eins?
O, ihr kriegt gewiß nicht meins!

Komm' einmal ein Kaufmann her!
Hunderttausend blanke Taler,
Alles Gold der Erde zahl' er!
O, er kriegt gewiß nicht meins! -
Kauf' er sich woanders eins!


Confirmed with Gedichte von Gottfried August Bürger. Erster Theil. Frankfurt und Leipzig, 1789, in Lyrische Gedichte, pages 139 - 140.


3. Die Ulme zu Hirsau


Zu Hirsau in den Trümmern 
Da wiegt ein Ulmenbaum
Frisch grünend seine Krone 
Hoch überm Giebelsaum.

Er wurzelt tief im Grunde 
Vom alten Klosterbau;
Er wölbt sich statt des Daches 
Hinaus in Himmelsblau.

Weil des Gemäuers Enge 
Ihm Luft und Sonne nahm,
So trieb's ihn hoch und höher, 
Bis er zum Lichte kam.

Es ragen die vier Wände, 
Als ob sie nur bestimmt,
Den kühnen Wuchs zu schirmen, 
Der zu den Wolken klimmt.

Wenn dort im grünen Tale 
Ich einsam mich erging,
Die Ulme war's, die hehre, 
Woran mein Sinnen hing.

Wenn in dem dumpfen, stummen 
Getrümmer ich gelauscht,
Da hat ihr reger Wipfel 
Im Windesflug gerauscht.

Ich sah ihn oft erglühn 
Im ersten Morgenstrahl;
Ich sah ihn noch erleuchtet, 
[Wann]1 schattig rings das Tal.

Zu Wittenberg im Kloster 
Wuchs auch ein solcher Strauß
Und brach mit Riesenästen 
Zum Klausedach hinaus.

O Strahl des Lichts, du [dringest]2
Hinab in jede Gruft.
O Geist der Welt, du ringest 
Hinauf in Licht und Luft.


View original text (without footnotes)
1 Strauss: "wenn"
2 Strauss: "dringst"

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     - Emily Ezust

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