by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758 - 1818)
Alles um Liebe
NOTE: the footnotes have been removed from this text; return to general view
Language: German (Deutsch)
Was ist es, das die Seele füllt? Ach Liebe füllt sie, Liebe! Sie füllt nicht Gold, noch Goldeswerth, Nicht, was die öde Welt begehrt, Sie füllt nur Liebe, Liebe! Was ist es, das die Sehnsucht stillt? Ach, Liebe stillt sie, Liebe! Sie stillt nicht Titel, Stand noch Rang, Und nicht des Ruhmes Schellenklang; Sie stillt nur Liebe, Liebe! Was ist's, wonach das Herz zerlechzt? Es lechzet, ach, nach Liebe! Es schmachtet nicht nach Druck und Kuß, Nicht nach der Wollust Vollgenuß; Es schmachtet nur nach Liebe. Gern geb' ich, was ich hab' und bin, Gern geb' ichs hin um Liebe. Des Reichthums bunter Seifenschaum, Der Wollust Rausch, des Ruhmes Traum, Was frommt mirs ohne Liebe? Viel süßer ist's, gering und arm An treuer Brust verschmachten, Als ungeliebt und liebelos Den Tag verprassen, und im Schooß Der Wollust übernachten! O liebe Traute, liebe mich, So wahr, wie ich dich liebe! Dann schwinde Ruhe, Ruhm und Glück! Nimm alles, alles hin, Geschick; Mir gnügt Ellwinens Liebe. Und wär mein Loos, getrennt von dir, Mein Leben zu vertrauren; Und wüßt' ich nur, daß du mich liebst, Und wüßte nur, daß du mir bliebst - Wer dürfte mich bedauren? Und wär' ich in der Sklaverey, In freundeloser Wildniß, Und wäre dein, nur dein gewiß, So wäre Sklaverey mir süß, Und Paradies die Wildniß. Und hüllte Todesfinsterniß Dich, meines Lebens Sonne, Und stürb' ich nur, von Ihr gemeint, Von Ihr beklagt, von Ihr beweint, So stürb' ich, ach, mit Wonne! Viel besser ist's, jung, kräftig, kühn Im Arm der Liebe sterben, Als ungeliebt und liebelos In dumpfer Freuden mattem Schooß Veralten und verderben!
J. Zumsteeg sets stanzas 1-6, 8-10
Confirmed with Ludwig Theoboul Kosegarten's Poesieen. Zweiter Band. Leipzig bei Heinrich Gräff. 1798, pages 185-187.
Text Authorship:
- by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758 - 1818), "Alles um Liebe" [author's text checked 2 times against a primary source]
Go to the general view
Researcher for this page: Peter Rastl [Guest Editor]
This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
Line count: 50
Word count: 268