by Anonymous / Unidentified Author
Bild aus Ungarn
Language: German (Deutsch)
Auf weiter Puszta steht ein Haus, da geht der Sturmwind ein und aus, da sitzt im Zimmer freudenlos ein Weib, ein Kindlein auf dem Schoß. Ud vor dem Kinde steht ein Baum just in der Mitt' des Zimmers Raum, ein Weihnachtsbaum, wohl aufgeschmückt, wie selten ihn das Aug' erblickt. Da himg des toten Vaters Schwert, wo er den Feind damit gewehrt, daneben der Pistolen zwei, das Doppelpaar, das ihm so treu, und auf der Pyramide Spitz', da war des Tschakos hoher Sitz, und um den Baum, gleich wie ein Ring, der alte blut'ge Mantel hing. Da trieb der Schnee, da pfiff der Wind; die Mutter seufzt, es weint das Kind, es heult der Wolf, es braust der Sturm, da schlug es zwölf vom nächsten Turm. Und bei der Glocke letztem Schlag wird's hell, und heller wie bei Tag, und nächst dem Waffenbaume stand der Tote mit dem Blutverband. „Komm, armes Kind, komm, Mutter du, geht mit mir ein zur ew'gen Ruh'! Auf Erden ist's so öd und leer, seitdem das Vaterland nicht mehr!“ Und also seine Lippe sprach: „Folgt beide, beide folgt mir nach!“ Und anderntags das Morgenrot fand Mutter und das Kindlein tot!
Text Authorship:
- by Anonymous / Unidentified Author [author's text not yet checked against a primary source]
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- by Valentin Eduard Becker (1814 - 1890), "Bild aus Ungarn", op. 11 (3 Gesänge für Bariton (oder Alt) mit Pianoforte) no. 1, published 1851 [ baritone or alto and piano ], Mainz, Schott [sung text checked 1 time]
Researcher for this page: Johann Winkler
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