Auf weiter Puszta steht ein Haus, da geht der Sturmwind ein und aus, da sitzt im Zimmer freudenlos ein Weib, ein Kindlein auf dem Schoß. Ud vor dem Kinde steht ein Baum just in der Mitt' des Zimmers Raum, ein Weihnachtsbaum, wohl aufgeschmückt, wie selten ihn das Aug' erblickt. Da himg des toten Vaters Schwert, wo er den Feind damit gewehrt, daneben der Pistolen zwei, das Doppelpaar, das ihm so treu, und auf der Pyramide Spitz', da war des Tschakos hoher Sitz, und um den Baum, gleich wie ein Ring, der alte blut'ge Mantel hing. Da trieb der Schnee, da pfiff der Wind; die Mutter seufzt, es weint das Kind, es heult der Wolf, es braust der Sturm, da schlug es zwölf vom nächsten Turm. Und bei der Glocke letztem Schlag wird's hell, und heller wie bei Tag, und nächst dem Waffenbaume stand der Tote mit dem Blutverband. „Komm, armes Kind, komm, Mutter du, geht mit mir ein zur ew'gen Ruh'! Auf Erden ist's so öd und leer, seitdem das Vaterland nicht mehr!“ Und also seine Lippe sprach: „Folgt beide, beide folgt mir nach!“ Und anderntags das Morgenrot fand Mutter und das Kindlein tot!
3 Gesänge für Bariton (oder Alt) mit Pianoforte , opus 11
by Valentin Eduard Becker (1814 - 1890)
1. Bild aus Ungarn
Language: German (Deutsch)
2. Letztes Beisammensein
Language: German (Deutsch)
Mein liebes liebliches Liebchen, ich bin dir gar zu gut! Dich denken all' meine Gedanken, möcht' von dir nicht weichen nicht wanken; was doch die Liebe tut! Mein liebes liebliches Liebchen, komm, gib mir noch einen Kuss, lass Lippe an Lippe sich laben! Gott gibt ja die süßesten Gaben im reichsten Überfluss. Mein liebes liebliches Liebchen, schau ich dir ins Gesicht, wird die Welt mir lichter und lichter. Gott selbst ist ein himmlischer Dichter, und Liebe sein schönstes Gedicht. Mein liebes liebliches Liebchen, komm an dies Herz aufs Neu'! Muss weinen in Lust und im Leide; mein liebliches Liebchen, ich scheide, o bleibe mir gut und treu!
Text Authorship:
- by Ludwig Bechstein (1801 - 1860), "Letztes Beisammensein"
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3. Sängers Abschied
Language: German (Deutsch)
Warum schlägst du so schwere Schläge, mein Herz, was presst so bange dich? Warum trägst du dies ernst Gepräge? Was quält, mein Herz, was ängstigt wohl dich? Es ist das schwere Wort der Trennung, der Trennung, ach, aus diesem Land, wo mir so schöne Stunden schlugen, wo ich so hohes Glück empfand. Lebt wohl, ihr schönen Au'n, ihr Haine, ihr Hallen, wo ich gerne sang! Ich steh' an eurer Mark und weine, wo sonst mein freudig Lied erklang. Ich ziehe fort, doch denk' ich eurer auch ferne an dem fremden Strand; am Frührot wie beim Abendfeuer tönt euch mein Lied im fernen Land!