Drei Gedichte für 1 Singstimme mit Pianoforte , opus 7

by Karel Kliebert (1849 - 1907)

1. Die Lieder [sung text checked 1 time]

Woher die Lieder? fragt ihr mich,
Ja, weiß [denn ich's]1, ihr Lieben?
Sie nahen ungerufen sich 
Wie in die Luft geschrieben.
Sie keimen aus selbeigner Macht
Wie unsichtbare Saaten,
Nur daß in Sang und Klang gebracht,
Sie gerne sich verrathen.

Die Blumen flüstern sie mir zu
Und wildes Waldgesinde,
Ich höre sie bei guter Ruh
Im Wasser und im Winde.
Aus Mädchenaugen les' ich sie 
Mit Lachen und mit Scherzen,
Aber sie kommen anders nie,
Als auf dem Wege zum Herzen.

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1 Kliebert: "ich's denn"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Frühlingsnacht [sung text checked 1 time]

Hörst du die Nachtigall? es strömt und quillet
Aus ihrer Brust ein schmelzender Gesang,
[Die Liebe locket, tiefe Sehnsucht schwillet]1,
Und Hoffnung wiegt sich in des Liedes Klang.
Durch lauten Jubel zittert leise Klage,
Denn ich [verstehe wohl der]2 Stimme Schall,
Es ist die Antwort [auf die bange Frage]3,
Du sollst mich lieben, sagt die Nachtigall.

Warm ist die Frühlingsnacht, die Knospen brechen,
Mit jungem Grün umspinnt sich Baum und Strauch,
Mit ihren Düften möchten Blumen sprechen,
Und durch die Blätter geht ein Flüsterhauch.
Es webt und schwebt ein Kommen und ein Werden,
Es treibt und drängt im Stillen überall,
Es regt sich jede Kraft, -- [das]4 ist auf Erden
Die Zeit der Wonnen, sagt die Nachtigall.

Ist dir nicht selbst zu Muth im holden Neigen,
Hell aufzujauchzen und mit Lust zu blühn?
Das Herz ist voll, wenn auch die Lippen schweigen,
[Du fühlst doch deine ganze Seele glühn]5.
Die Augen glänzen dir im Mondenscheine,
O höre doch der süßen Töne Schwall!
[Horch, wie es wirbt und fleht! du einzig Eine]6,
Du wärst mein eigen, sagt die Nachtigall.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Spring night", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Julius Wolff, Singuf. Rattenfängerlieder, Dritte vermehrte Auflage, Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, 1883, page 79.

1 Kliebert: "Die Liebe lockt, tiefe Sehnsucht schwillt"
2 Kliebert: "versteh' der"
3 Kliebert: "auf die Frage"
4 Kliebert: "ja das"
5 Kliebert: "Und du fühlst ja doch die ganze Seele glühen"
6 Kliebert: "Horch, wie es wirbt, horch wie es fleht! Nur du einzig Eine"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Stille Liebe [sung text checked 1 time]

Holdsel'ger Jugend Prangen!
dein blaues Augen paar,
die Rosen deiner Wangen,
dein dunkelbraunes Haar,
In allen meinen Tagen 
kommt mir's nicht aus dem Sinn,
ich kann es dir nicht sagen,
wie ich von dir gebannet bin.

Willst du mir sonst nichts geben,
so wehre doch dies mir nicht,
lass meine Augen erheben
zu deinem Angesicht,
lass meine Gedanken liegen 
als Beter vor deinem Schrein,
und ewig bleib' es verschwiegen,
dass meine Seele dein!

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