Aus der Edda, zwei Gedichte von Ellar Ling

by Ferdinand von Hiller (1811 - 1885)

Word count: 274

1. Osterfeuer [sung text checked 1 time]

Männer zusammen, 
schließet den Chor!
In der Nacht, in der Nacht!
Prasselt ihr Flammen 
flackernd empor!
In der Nacht, in der Nacht!
Ewige Allkraft, du Wodansfeu'r,
strahle auch uns an, auf, leuchte auf, Feu'r!

Feuer ist Freiheit, 
Freude und Fluch!
In der Nacht, in der Nacht!
Schreibet die Dreiheit 
weiter ins Buch!
In der Nacht, in der Nacht!
Feuerrunen auf Bergen klar,
Feuerrunen von Jahr zu Jahr.

Feuer ist Wahrheit, 
frisset den Trug.
In der Nacht! In der Nacht!
Strahlet in Klarheit,
Das ist ihr Fluch!
In der Nacht, in der Nacht!
Fluch dem Bösen! Fluch der Schande!
Ewiger Fluch durch alle Lande!

Freiheit und Freude, 
siegender Mai!
In der Nacht, in der Nacht!
Eins seid ihr beide,
kommet herbei!
In der Nacht, in der Nacht!
Auferstehen, ja Auferstehen
muss durch Wälder und Völker gehen!

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

2. Ostara [sung text checked 1 time]

Ostara schwebt empor am Himmelsbogen,
gekrönt vom Strahlenkranz der Morgenglut.
Sie naht und küsset, Allem hold gewogen,
das Leben wach, das noch im Schlummer ruht.
Auf schlägt die Welt ihr Auge dann,
„Ostara!” jauchzt sie himmelan!

Ostara naht! Sie tauet mild hernieder
des jungen Frühlings süßen Zauberduft,
da sprengt erlöst die Knosp' ihr grünes Mieder,
der gold'ne Käfer steigt aus seiner Gruft:
„Ostara!” tönt's in süßem Klang,
und alles, alles wird Gesang.

Ostara singt! Bei ihres Auges Strahle
durchzuckt's den Geist der Völker wunderbar!
Es tagt, und aller Welt mit einem Male
wird ew'ge Wahrheit leuchtend offenbar.
Ostara rauscht es im Geisteswehen,
Ostara kommt das Aufersteh'n.

Ostara, komm! Sieh' deine Feuerflammen
ringsum von allen deutschen Bergen schon!
Ostara, komm! Uns auch lass allzusammen
im Eines deines Geistes Gluten loh'n!
Ostara jauchzet alles dann!
So bricht der Völker Frühling an.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler