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Liederkranz von Ernst Freiherrn von der Malburg

by Georg Joseph von Rieff (1771 - 1842)

1. Nachtigall
 (Sung text)

Language: German (Deutsch) 
Die Nachtigall schlägt weiche Melodien,
ein tiefer Klang muss durch die Brust ihr ziehen,
ein Klang der Lieb', ein Klang der Seligkeit,
ein Klang voll Sehnsucht, Wehmut, Inbrunst, Leid.

Was will der Ton, wer hat ihn dir gegeben?
Wer heißt den Schmerz in Wonne dich verbeben?
Wie kann Entzücken in der tiefsten Pein,
wo kann der Himmel in der Wehmut sein?

„Was, wer, wie, wo? Wie wagst du, das zu fragen?
In Nacht zum Blau die Augen aufgeschlagen,
und ist dir dann das Rätsel nicht bewusst,
so lebt kein Lied in deiner toten Brust!“

Text Authorship:

  • by Ernst Friedrich Georg Otto, Freiherr von der Malsburg (1786 - 1824), "Nachtigall"

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Confirmed with Penelope. Taschenbuch für das Jahr 1825, 14. Jahrgang, Leipzig.


Researcher for this page: Johann Winkler

2. Stern und Wolke
 (Sung text)

Language: German (Deutsch) 
Wenn der Himmel offen steht,
seh'n wir alle Sterne;
wenn Gewölke drüber weht,
steh'n sie uns so ferne.

Wenn dein Auge munter lacht,
steht mein Himmel offen;
wenn es weint, steh' ich in Nacht,
von Gewölk umtroffen.

Text Authorship:

  • by Ernst Friedrich Georg Otto, Freiherr von der Malsburg (1786 - 1824), "Stern und Wolke"

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Confirmed with Penelope. Taschenbuch für das Jahr 1825, 14. Jahrgang, Leipzig.


Researcher for this page: Johann Winkler

3. Mondbild
 (Sung text)

Language: German (Deutsch) 
Wo der Mondschein auf den Wellen
still hinunter gleitet
und den Strom zu einem hellen
Blatte vor mir breitet,

seh' ich bald im lichten Grunde
leise was sich malen,
das da mischt in süßem Bunde
Farben zu den Strahlen.

Und da löst sich sanft das Bildnis
dem beglückten Sinne,
und die kalte gold'ne Wildnis
wird ein Sitz der Minne.

Blumen scheinen aufzusprossen,
weiße, rote, blaue,
bis in einen Glanz ergossen
ich ein Antlitz schaue.

Mir erhebt sich zum Entzücken
Häuptchen aus dem Golde;
möcht' es an den Busen drücken -
und sie nickt, die Holde.

Wäre sie der Flut entstiegen!
Zöge sie mich nieder!
Wolken, ach, am Mond hinfliegen,
löschen alles wieder!

Text Authorship:

  • by Ernst Friedrich Georg Otto, Freiherr von der Malsburg (1786 - 1824), "Mondbild"

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Confirmed with Penelope. Taschenbuch für das Jahr 1825, 14. Jahrgang, Leipzig.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Meine Sterne
 (Sung text)

Language: German (Deutsch) 
Alle sprechen von den Sternen;
sehn' ich mich nach ihrem Licht,
muss ich fühlen, muss ich lernen,
meine Sterne sind es nicht.

Der will Weisheit dort erholen,
seh'n, wie sich Planeten dreh'n
oder wie an gold'nen Polen
Sonnen festgeschmiedet steh'n.

Der will das Geschick befragen
als ein scheuer Astrolog,
lauschen, was er dürfe wagen,
wissen, was sein Los ihm wog.

Zwar auch ich bin Sternergründer,
doch den Fixstern such' ich nur;
mir ist nimmer Himmelskünder
des Planeten Wandelspur.

Ob auch ich gar emsig schaue,
ob es trüb', ob heiter brennt,
dort in jener luft'gen Aue
hab' ich nicht mein Firmament.

Ob es seltsam auch erscheine,
irdisch ist mein Himmelszelt,
und es sind zwei Fünkchen kleine
meine ganze Sternenwelt.

Ja, was mir schon manche Klage,
machen stillen Schmerz gebracht:
Mein Gestirn glänzt nur am Tage
und verdunkelt in der Nacht.

Nehmt aus unermess'ner Ferne
euch das ganze Lichtrevier;
meines Liebchens Augensterne,
mir so nah, die lasset mir!

Text Authorship:

  • by Ernst Friedrich Georg Otto, Freiherr von der Malsburg (1786 - 1824), "Meine Sterne"

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Confirmed with Penelope. Taschenbuch für das Jahr 1825, 14. Jahrgang, Leipzig.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Erwiderung
 (Sung text)

Language: German (Deutsch) 
Du willst, ich soll ein Lied dir singen;
sprich, welch ein Lied verlangst du mir?
Kann meiner Lipp' ein Ton entklingen,
der lieblich tönt zur Seele dir?

Wenn ich von meinem Herzen sage,
erwidert deins ein einzig Wort?
O, wenn ich dir mein Leiden klage,
kehrst du dich unmitleidig fort!

Und stimm' ich anders meine Leier,
dass ich dir Fremdes gebe kund,
hüllt mir die Seel' ein trüber Schleier,
und wie der Tod verstummt der Mund.

Doch wenn, von neuer Kraft bezwungen,
Begeist'rung schnell die Töne schwellt,
so ist das Lied, das sich entrungen,
dennoch ein Lied, das dir missfällt.

Umsonst ist all mein Ringen, Mühen,
d'rum lass mich stumm mein Leben lang;
wie ohne Sonnenschein kein Blühen,
ist ohne Liebe kein Gesang.

Text Authorship:

  • by Ernst Friedrich Georg Otto, Freiherr von der Malsburg (1786 - 1824), "Erwiderung"

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Confirmed with Penelope. Taschenbuch für das Jahr 1825, 14. Jahrgang, Leipzig.


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