Sechs Gedichte von Victor Heindl

Song Cycle by Ernő (Ernst von) Dohnányi (1877 - 1960)

Word count: 593

1. Was weinst du, meine Geige? [sung text checked 1 time]

Was weinst du, meine Geige?
  Hat man dir weh getan?
Die Leute wollen lachen,
  und sehn uns staunend an.

Einst sangen deine Saiten
 nur Liebe, Lieb' und Glück,
und funkensprühend jagte
 sich Tollheit Stück um Stück.

Wie flog so leicht der Bogen,
  von ihr sang jedes Lied.
Heut' ist so schwer mein Herze,
  und meine Hand so müd'.

Ein Silberreif am Finger,
  der sprang mir jäh entzwei,
es zittert von den Saiten
  wie todeswunder Schrei:

Herab von meinem Finger,
  s'war doch nur Lüge dran.
Hei! seht, wie ich nun trinken
  und lustig fideln kann!

Was weinst du, meine Geige?

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  • ENG English (Bertram Kottmann) , "Why are you weeping, my violin?", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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2. So fügt sich Blüt an Blütezeit [sung text checked 1 time]

So fügt sich Blüt an Blütezeit,
so fügt sich Stund an Stund,
und immer denk erschauernd ich
  an deinen Wonnemund.

Hatt' sonst schon manchen Lenz gesehn
und manchen Strauß gepflückt
und hatte auch manch schönem Kind
  in Aug und Herz geblickt.

Doch so viel süßer Frau'n ich sah,
es glich doch keine dir.
Woher es kam? Ich weiß es nicht:
  Du warst die Schönste mir!

Und als ich deiner Lippen Paar
scheu zögernd fand im Kuß,
wußt' ich, daß ich verzaubert bin,
  dein ewig denken muß.

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3. Ich will, ein junger Lenzhusar [sung text checked 1 time]

Ich will, ein junger Lenzhusar,
  die Frühlingsau durchreiten,
wo Birkenreis und Hagedorn
  im Sonnenschein sich spreiten.

Die Erde atmet breit und schwer,
ein lustiger Wind fegt drüber her.
Und vor ihm heiter lachend
flieht ein Liebeslied.

Frau Minne sitzt am Grabenrand
  vom langen Wandern müde;
trägt Kleider wie ein Bauernkind,
  geschürzet sonder Prüde.

Und lieblich dankt sie meinem Gruß.
"Frau Minne bist heut' schlecht bei Fuß?
Schwing dich zu mir am Sattelknauf."
Nun Rößlein, lauf!

Oh weh! was hab ich da getan?
  Die Zügel sind vergessen,
und beide Arme voller Lust
  die junge Gastin pressen!

Jetzt warf das Rößlein sanft uns ab,
Im Wiesengrund entläuft's im Trab,
und läßt uns, ach, so ganz allein:
Im Grün zu Zwein!

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4. Bergtrolls Braut [sung text checked 1 time]

O Wand'rer, geh' nicht nach dem Abendstein,
dort lockt des Bergrolls Braut!
Rot flammt ihr Haar, wenn die Sonne sinkt,
heiß flammt ihr Kuß, doch wer davon trinkt,
hat keine and're geschaut.

O Wand'rer, flieh dieser Augen Macht,
sie glänzen wie funkelndes Gold;
En duftig Atmen, wie weht es so weich,
ein Flüstern so süß,
so glutenreich von Minne und Minnesold...

Der Jüngling streicht sich die glühende Stirn:
"Du Stolze, dich will ich bezwingen!
Ein Karfunkel aus deinem Haargezier,
er schaffe ein Lächeln der Liebsten mir,
und gält es das heißeste Ringen!"

Bergtroll lauert in eiferndem Grimm,
nun rüttelt den Fels er mit Wuchten:
"Ha, Frecher, du langst nach der Schönsten mein!"
Es bricht der Berg es stürzt das Gestein
und donnert verhallend zu Schluchten.

Im Mondlicht schimmert grün ihr Haar,
grün starrt ihr Auge in Fernen:
Des Bergtrolls Braut hält Totenwacht!
Der Wind hat ein schneeiges Bahrtuch gebracht,
und Friede thront in den Sternen!

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5. König Baumbart [sung text checked 1 time]

König Baumbart, der alte Tann,
  der schüttelt sich heut' vor Lachen:
"Was doch die jungen Weibsen oft
  für törichte Streiche machen:
Da kam heut lachend ein zierlich Ding
  und hat mich am Barte gezupft,
hat auch einen tüchtigen Zwirbelschnauz
  daraus sich zurecht gerupft.
Nun seh' ich des Nachts in ihr Fensterlein,
  da liegst sie und hat keine Ruh',
und träumt all lang sich offenein Augs
  ein richtiges Mannsbild dazu.
Mein Kind, der ist auch schon unterwegs,
  er lauschte versteckt hinter mir,
hätts't du an den richtigen Bart gezupft,
  so wär' er schon längst bei dir!"

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6. Vergessene Lieder, vergessene Lieb' [sung text checked 1 time]

Vergessene Lieder, vergessene Lieb',
  ihr freundlichen Traumgestalten,
wer wird am Friedensmorgen
  mir einst die Totenwache halten?

Wer küßt zum Abschied den ernsten Mund,
  der so fröhliche Lieder gesungen,
wer legt die Hand auf's stille Herz,
  das einst so laut geklungen?

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