Und was bedeuten diese Zwänge, halb Bild, halb Wort und halb Kalkül, was ist in dir, woher die Dränge aus stillem traürnden Gefühl? Es strömt dir aus dem Nichts zusammen aus Einzelnem, aus Potpourri, dort nimmst du Asche, dort die Flamme, du streust und löschst und hütest sie. Du weißt, du kannst nicht alles fassen, umgrenze es, den grünen Zaun um dies und das, du bleibst gelassen, doch auch gebannt in Missvertraun. So Tag und Nacht bist du am Zuge, auch sonntags meisselst du dich ein und klopfst das Silber in die Fuge, dann lässt du es -- es ist: das Sein.
Aprèslude
Song Cycle by Boris Blacher (1903 - 1975)
1. Gedicht
Language: German (Deutsch)
Text Authorship:
- by Gottfried Benn (1886 - 1956), appears in Aprèslude, first published 1955
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (John H. Campbell) , "Poem", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
2. Worte
Language: German (Deutsch)
Allein: du mit den Worten, und das ist wirklich allein, Clairons und Ehrenpforten sind nicht in diesem Sein. Du siehst ihnen in die Seele nach Vor- und Urgesicht, Jahre um Jahre quäle dich ab, du findest nicht. Und drüben brennen die Leuchten in sanftem Menschenhort, von Lippen, rosigen, feuchten perlt unbedenklich das Wort. Nur deine Jahre vergilben in einem anderen Sinn, bis in die Träume: Silben -- doch schweigen gehest du hin.
Text Authorship:
- by Gottfried Benn (1886 - 1956), appears in Aprèslude, first published 1955
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (John H. Campbell) , "Words", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
3. Eure Etüden
Language: German (Deutsch)
Eure Etüden, Arpeggios, Dankchoral sind zum Ermüden und bleiben rein lokal. Das Krächen der Raben ist auch ein Stück dumm sein und Arbeit haben: Das ist der Glück. Das Sakramentale, schön, wer es hört und sieht, doch Hunde, Schakale, die haben auch ihr Lied. Auch eine Fanfare, doch nicht an Fleisches Mund, daß ich erfahre, wo aller Töne Grund.
Text Authorship:
- by Gottfried Benn (1886 - 1956), appears in Aprèslude
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Researcher for this page: Malcolm Wren [Guest Editor]4. Letzter Frühling
Language: German (Deutsch)
Nimm die Forthysien tief in dich hinein und wenn der Flieder kommt, vermisch auch diesen mit deinem Blut und Glück und Elend sein, den dunklen Grund, auf den du angewiesen. Langsame Tage. Alles überwunden. Und fragst du nicht, ob Ende, ob Beginn, dann tragen dich vielleicht die Stunden noch bis zum Juni mit den Rosen hin.
Text Authorship:
- by Gottfried Benn (1886 - 1956), appears in Aprèslude
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Researcher for this page: Malcolm Wren [Guest Editor]Total word count: 287