Zwei Balladen

Song Cycle by Alexander Zemlinsky (1871 - 1942)

Word count: 283

1. Jane Grey [sung text checked 1 time]

Sie führten ihn durch den grauen Hof,
Daß ihm sein Spruch gescheh';
Am Fenster stand sein junges Gemahl,
Die schöne Königin Grey.

Sie bog ihr [Köpflein zum Gitter]1 heraus,
Ihr [Hals]2 erglänzte wie Schnee;
Er hob die Fessel klirrend auf
Und grüßte sein Weib Jane Grey.

Und als man den Toten vorübertrug,
Sie stand damit sie ihn seh';
Drauf ging sie freudig denselben Gang,
Die junge Königin Grey.

Der Henker, als ihm ihr Antlitz schien,
Er weinte [laut auf vor]3 Weh,
Dann eilte nach in die Ewigkeit
Dem Gatten Königin Grey.

Viel junge Damen starben schon
Vom Hochland bis zur See,
Doch keine war schöner und keuscher noch
Als Dudleys Weib Jane Grey.

Und wenn der Wind in den Blättern spielt
Und er spielt in [Blumen]4 und Klee,
Dann flüstert's noch oft vom frühen Tod
Der jungen Königin Grey.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Jane Grey", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Jane Grey", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Neuer deutscher Balladenschatz, Berlin, A. Scherl, G.m.b.H, 1906, page 1.

1 Schoenberg, Zemlinsky: "Köpfchen zum Fenster"
2 Schoenberg, Zemlinsky: "Haar"
3 Sinding: "laut vor"
4 Sinding: "Blättern"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Der verlorene Haufen [sung text checked 1 time]

Trinkt aus, ihr zechtet zum letzenmal,
Nun gilt es Sturm zu laufen;
Wir stehn zuvorderst [aus]1 freier Wahl,
Wir sind der verlorne Haufen.
 
Wer länger nicht mehr wandern mag,
Wes Füße schwer geworden,
Wem zu grell das Licht, wem zu laut der Tag,
Der tritt in unsern Orden.
 
Trinkt aus, schon färbt sich der Osten fahl,
Gleich werden die Büchsen singen,
Und blinkt der erste Morgenstrahl,
[So]2 will ich mein Fähnlein schwingen.
 
Und wenn die Sonne im Mittag steht,
[So]3 wird die Bresche gelegt sein;
Und wenn die Sonne zur Rüste geht,
Wird die Mauer vom Boden gefegt sein.
 
Und wenn die Nacht sich niedersenkt,
Sie raffe den Schleier zusammen,
Daß sich kein Funke [drin]4 verfängt
[Von]5 den lodernden Siegesflammen!
 
Nun vollendet der Mond den stillen Lauf,
Wir sehn ihn nicht verbleichen.
Kühl zieht ein neuer Morgen herauf -
Dann sammeln [sie]6 unsere Leichen.

Authorship

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1 Zemlinsky: "auf"
2 Zemlinsky: "Da"
3 Zemlinsky: "Dann"
4 Zemlinsky: "drein"
5 Zemlinsky: "In"
6 Zemlinsky: "wir"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]