Von Cöllen war ich drei Viertel auf Acht Des Morgens fortgereiset; Wir kamen nach Hagen schon gegen Drey, Da wird zu Mittag gespeiset. Der Tisch war gedeckt. Hier fand ich ganz Die altgermanische Küche. Sey mir gegrüßt, mein Sauerkraut, Holdselig sind deine Gerüche! Gestofte Kastanien im grünen Kohl! So aß ich sie einst bei der Mutter! Ihr heimischen Stockfische seid mir gegrüßt! Wie schwimmt Ihr klug in der Butter! Jedwedem fühlenden Herzen bleibt Das Vaterland ewig theuer - Ich liebe auch recht braun geschmort Die Bücklinge und Eyer. Wie jauchzten die Würste im spritzelnden Fett! Die Krammetsvögel, die frommen Gebratenen Englein mit Apfelmuß, Sie zwitscherten mir: Willkommen! Willkommen, Landsmann, - zwitscherten sie - Bist lange ausgeblieben, Hast dich mit fremdem Gevögel so lang In der Fremde herumgetrieben! Es stand auf dem Tische eine Gans, Ein stilles, gemüthliches Wesen. Sie hat vielleicht mich einst geliebt, Als wir beide noch jung gewesen. Sie blickte mich an so bedeutungsvoll, So innig, so treu, so wehe! Besaß eine schöne Seele gewiß, Doch war das Fleisch sehr zähe. Auch einen Schweinskopf trug man auf In einer zinnernen Schüssel; Noch immer schmückt man den Schweinen bei uns Mit Lorbeerblättern den Rüssel.
Ostwärts
Set by Leonard J[ordan] Lehrman (b. 1949), "Ostwärts", op. 72 no. 3, published 1984 [ male voice and piano ], from Ein Wanderer durch Deutschland, nach Heines Wintermärchen (A Wanderer through DEUTSCHLAND after Heine's Wintermärchen), no. 3
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Note: this setting is made up of several separate texts.
Text Authorship:
- by Heinrich Heine (1797 - 1856), no title, appears in Deutschland. Ein Wintermärchen, no. 9
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Leonard J[ordan] Lehrman) , stanza 1 [an adaptation]
Dicht hinter Hagen ward es Nacht, Und ich fühlte in den Gedärmen Ein seltsames Frösteln. Ich konnte mich erst Zu Unna, im Wirthshaus, erwärmen. Ein hübsches Mädchen fand ich dort, Die schenkte mir freundlich den Punsch ein; Wie gelbe Seide das Lockenhaar, Die Augen sanft wie Mondschein. Den lispelnd westphälischen Accent Vernahm ich mit Wollust wieder. Viel süße Erinnerung dampfte der Punsch, Ich dachte der lieben Brüder, Der lieben Westphalen womit ich so oft In Göttingen getrunken, Bis wir gerührt einander an's Herz Und unter die Tische gesunken! Ich habe sie immer so lieb gehabt, Die lieben, guten Westphalen, Ein Volk so fest, so sicher, so treu, Ganz ohne Gleißen und Prahlen. Wie standen sie prächtig auf der Mensur, Mit ihren Löwenherzen! Es fielen so grade, so ehrlich gemeint, Die Quarten und die Terzen. Sie fechten gut, sie trinken gut, Und wenn sie die Hand dir reichen, Zum Freundschaftsbündniß, dann weinen sie; Sind sentimentale Eichen. Der Himmel erhalte dich, wackres Volk, Er segne deine Saaten, Bewahre dich vor Krieg und Ruhm, Vor Helden und Heldenthaten. Er schenke deinen Söhnen stets Ein sehr gelindes Examen, Und deine Töchter bringe er hübsch Unter die Haube - Amen!
Text Authorship:
- by Heinrich Heine (1797 - 1856), no title, appears in Deutschland. Ein Wintermärchen, no. 10
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Leonard J[ordan] Lehrman) , stanzas 1-2 [an adaptation]
- ENG English (Leonard J[ordan] Lehrman) , stanza 8 [an adaptation]