by Friedrich Christoph Förster (1791 - 1868)
Es wollt' im heil'gen röm'schen Reich
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Language: German (Deutsch)
Es wollt' im heil'gen röm'schen Reich Der Frühling nicht erscheinen. Der Kaiser war in großer Noth, Und rief zum Rath die Seinen. Da wurde, nach des Kanzlers Rath, Einem alten Frosch befohlen, Mit seinen junger grünen Schaar Den Frühling einzuholen. Sobald der Frosch im Garten schreit, Der Kaiser fühlt Behagen, Er rief: "Ich wittre Frühlingsluft, Laßt mich in's Freie tragen!" Da saß er denn, auf sammtnen Stuhl, Und wehrte sich die Schnacken, Und höret in dem trüben Pfuhl Den Frosch manierlich quacken. Ein Zweiter zu dem Ersten kam , Mit ihm zu concertiren, Der Dritte stellte bald sich ein, D'rauf sangen sie zu Vieren. Ein Jeder nahm das Maul recht voll, Wie schmetterten die Kehlen, Um sich für's heil'ge röm'sche Reich Gehorsamst abzuquälen. Und immer toller ward der Lärm, Der Kaiser konnt's nicht tragen. Da rief er seiner Kanzler zu, Das Volk aufs Maul zu schlagen. Der sprach: "Wir haben Frühlingszeit, Und bleiben euch gewogen, So schweiget nun bei unserm Zorn, Euch soll -- ihr Demagogen!" Da loben wir uns unser Reich, Wie sind wir wohl berathen, Was kümmern uns die Frösch' im Teich Und ihre Potentaten? Der Frühling geht, der Sommer kehrt, Der Herbst, der Winter wieder; Wir singen fest und unverwehrt Die allerschönsten Lieder.
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View text with all available footnotesConfirmed with Neue Berliner Monatschrift für Philosophie, Geschichte, Literatur, und Kunst. Erster Band, fünftes Heft, Berlin: bei Ernst Heinrich Georg Christiani, 1821. Appears in "Drei Frühlings-Lieder von F.", no. 2, pages 384 -386.
Text Authorship:
- by Friedrich Christoph Förster (1791 - 1868), no title [author's text checked 1 time against a primary source]
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