Tafel-Lieder für Männerstimmen: Für die Liedertafel zu Berlin, von Carl Fried. Zelter. Heft V

by Karl Friedrich Zelter (1758 - 1832)

1. Liederstoff [sung text checked 1 time]

Aus wie vielen Elementen
Soll ein echtes Lied sich nähren,
Daß es Laien gern empfinden,
Meister es mit Freuden hören?

Liebe sei vor allen Dingen
Unser Thema, wenn wir singen;
Kann sie gar das Lied durchdringen,
[Wird's um desto besser]1 klingen.

Dann muß Klang der Gläser tönen
Und Rubin des Weins erglänzen:
Denn für Liebende, für Trinker
[Winkt man mit den schönsten]2 Kränzen.

Waffenklang wird auch gefodert,
Daß auch die Drommete schmettre;
Daß, wenn Glück zu Flammen lodert,
[Sich im Sieg der]3 Held vergöttre.

Dann zuletzt ist unerläßlich,
Daß der Dichter manches hasse;
Was unleidlich ist und häßlich,
[Nicht wie Schönes leben]4 lasse.

Weiß der Sänger, dieser Viere
Urgewalt'gen Stoff zu mischen,
[Hafis gleich wird er die]5 Völker
Ewig freuen und erfrischen.

Authorship:

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  • ENG English (Laura Prichard) , "Elements", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Éléments", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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1 Zelter: "Desto besser wird es"
2 Zelter: "Warten immergüne"
3 Zelter: "Siegreich unsern"
4 Zelter: "Leben nicht wie Schönes"
5 Zelter: "Wird er aller Lande"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

2. Das eine Wort [sung text checked 1 time]

Will der Mensch ein Werk vollbringen,
Wähl' er sich ein ernstes Wort,
Das ihn treibe fort und fort,
Und das Schwere wird er zwingen. 

Auf den Himmel ist gut bauen,
Aber zu Gebet und Sang
Weiß ich einen dritten Klang,
Und ich will' ihn euch vertrauen. 

Wenn der Wandersmann sich wendet
Nach dem weit enleg'nen Ort,
Stärkt ihn wohl dies eine Wort,
Und der Weg ist bald vollendet.

Auch der Schiffer hält's in Ehren,
Muthig steuert er dahin.     
Hat er nur dies Wort im Sinn,
Kann die Fahrt ihm keiner wehren. 

Will den Himmel einer messen,
Und der Sterne ew'gen Lauf,
Wie sie ziehen ab und auf,
Darf er nie dies Wort vergessen.

Wißt ihr, wer die Bahn gebrochen?
War's nicht Blücher, unser Held? 
Denn sie räumten ihm das Feld,
Wie er dieses Wort gesprochen. 

Dauern wird's zu späten Jahren
Wenn wir in dem Herzen treu, 
In dem Herzen frisch und frei, 
Uns dies eine Wort bewahren. 

Wandersleut' sind wir auf Reisen,
Vor uns lieget Berg' und Höh'n, 
Tiefe Wälder, breite Seen,
Darum, Vorwärts!  soll es heissen.

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Researcher for this text: Melanie Trumbull

3. Nimmersatt [sung text checked 1 time]

Was ist das für ein durstig Jahr!
Die Kehle lechzt mir immerdar,
Die Leber dorrt mir ein.
Ich bin ein Fisch auf trocknem Sand,
Ich bin ein dürres Ackerland,
[O]1 schafft mir, schafft mir Wein!

Was weht doch jetzt für trockne Luft!
Kein Regen [hilft]2, kein Tau, kein Duft,
Kein Trunk will mir gedeihn.
Ich trink' [im allertiefsten]3 Zug,
Und [dennoch wird's mir nie]4 genug,
Fällt wie auf heißen Stein.

Was herrscht doch für ein hitz'ger Stern !
Er [zehrt mir recht]5 am innern Kern
Und macht mir Herzenspein.
Man dächte [wohl]6, ich sei verliebt ;
[Ja, ja]7 ! Die mir zu trinken gibt,
Soll meine Liebste sein.

Und wenn es euch wie mir ergeht,
So betet, daß der Wein gerät,
Ihr Trinker insgemein!
O heil'ger Urban, schaff uns Trost,
Gib heuer uns viel edlen Most,
Daß wir dich benedein !

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chanson à boire", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Ludwig Uhland, erster Band, Verlag der Cotta'schen Buchhandlung, Stuttgart, 1898, page 54.

1 Hölzel: "D'rum"
2 Zelter: "ist"
3 Reissiger: "im allerhöchsten"; Zelter: "und trinke Zug auf"
4 Reissiger: "dennoch trink' ich nicht genug"; Zelter: "immer ist es nicht"
5 Zelter: "sengt und zehrt"
6 Reissiger: "schier"
7 Reissiger: "Doch ja"

Research team for this text: Pierre Mathé [Guest Editor] , Melanie Trumbull , Johann Winkler

4. Meister und Gesell [sung text checked 1 time]

Ahn Schlosser hot ahn G'sellen g'habt,  
Der hot gohr langsam g'feilt; 
Doch wenn's zum Fresse gangen ist,
So hot er grausam g'eilt.  
Der Erste in der Schüssel drinn,
Der Letzte wieder draus,
Do ist kahn Mensch so fleissig gwest
Als er im ganzen Haus.

CHORUS:
Ho ho ho ho ho ho ho ho,
Der Gsell der is nit dumm!
Vom Feilen wird man holt nitt satt,
Geb' auch nöt viel darum.

Da hat ahmal der Meister g'sagt:
G'sell das begreif ich nöt!
Es ist doch all' mein Lebtag g'wöst,
So lang ich denk, die Röd: 
So wie man schafft, so frisst man a,
Bei dir ists nöt a su,
So langsam hat noch kahner g'feilt
Und g'fressen so wie du.

CHORUS:
Ho ho ho ho ho ho ho ho,
Der Maist'r ist auch nöt dumm,
Wenn d'Arbeit nimmer fertig wird,
Geb' auch nicht viel darum.  

Ha!  sagt der G'sell, das glaub ich schon,
'S hat alls sein gute Grund,
Das Fressen währt halt gar nicht lang
Und d'Arbeit vierzehn Stund.
Wenn Einer [müscht]1 den ganze Tag
In ahn Stuck fresse fort,
S'wird wohl am End so langsam gehn
Als wie beim Feile dort.

CHORUS:
Ho ho ho ho ho ho ho ho,
Der G'sell der weiss sich um
Und wärs auch schon kahn Schlosser nöt,
So wär er doch nöt dumm.

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1 [sic] with the score

Researcher for this text: Melanie Trumbull

5. Entschluss [sung text checked 1 time]

Worauf kommt es überall an.
Daß der Mensch gesundet?
Jeder höret gern den Schall an,
Der zum Ton sich rundet.

Alles weg, was deinen Lauf stört!
Nur kein [düster]1 Streben!
Eh er singt und eh er aufhört,
Muß der Dichter leben.

Und so mag des Lebens Erzklang
Durch die Seele dröhnen!
Fühlt der Dichter sich das Herz bang,
Wird sich selbst versöhnen.

Authorship:

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1 Zelter: "finster"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

6. Demagogisch [sung text checked 1 time]

Es wollt' [im heil'gen röm'schen Reich]1
Der Frühling nicht erscheinen.
Der [Kaiser war in großer]2 Noth,
[Und rief zum Rath die]3 Seinen.
Da wurde, nach des Kanzlers Rath,
Einem alten Frosch befohlen,
Mit seinen junger grünen Schaar
Den Frühling einzuholen.

Sobald der Frosch im Garten schreit,
Der [Kaiser]4 fühlt Behagen,
[Er rief:  "Ich wittre Frühlingsluft]5,
Laßt mich in's Freie tragen!"
Da saß er denn, auf sammtnen Stuhl,
[Und wehrte sich die Schnacken]6,
Und [höret]7 in dem trüben Pfuhl
Den Frosch manierlich quacken.

Ein Zweiter [zu dem Ersten kam] 8,
Mit ihm zu concertiren,
Der Dritte stellte [bald sich]9 ein,
D'rauf sangen sie zu Vieren.
Ein Jeder nahm das Maul recht voll,
[Wie] 10 schmetterten die Kehlen,
Um sich [für's heil'ge röm'sche Reich]11
Gehorsamst abzuquälen.

Und immer toller ward der Lärm,
Der [Kaiser]12 konnt's nicht tragen.
Da rief er seiner Kanzler zu,
Das Volk aufs Maul zu schlagen.
Der sprach:  "Wir haben Frühlingszeit,
Und bleiben euch gewogen,
So schweiget nun bei unserm Zorn,
Euch soll  --   ihr Demagogen!"

Da loben wir uns unser Reich,
Wie sind wir wohl berathen,
Was kümmern uns die Frösch' im Teich
Und ihre Potentaten?
Der Frühling geht, der Sommer kehrt,
Der Herbst, der Winter wieder;
Wir singen fest und unverwehrt
Die allerschönsten Lieder.

Authorship:

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Confirmed with Neue Berliner Monatschrift für Philosophie, Geschichte, Literatur, und Kunst. Erster Band, fünftes Heft, Berlin: bei Ernst Heinrich Georg Christiani, 1821. Appears in "Drei Frühlings-Lieder von F.", no. 2, pages 384 -386.

1 Zelter: "einmal im Königreich"
2 Zelter: "König in der großen"
3 Zelter: "Berieth sich mit den"
4 Zelter: "König"
5 Zelter: ""Der Frühling," rief er, "ist nicht weit"
6 Zelter: "in schön geschmückter Jacken"
7 Zelter: "hörte"
8 Zelter: "fand sich bald dazu"
9 Zelter: "sich auch"
10 Zelter: "Es"
11 Zelter: "für seiner Majestät"
12 Zelter: "König"

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