by Wilhelm Jordan (1819 - 1904)
Der Schlaf unter der Eiche
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Language: German (Deutsch)
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O rausche nur sanft und leise Du schattiger Eichenbaum, Daß du die arme Waise Nicht weckest aus ihrem Traum! Ihre Ältern sind schlafen gegangen Ins letzte Kämmerlein; Mit stummer Liebe Verlangen Ist sie auf Erden allein. Empor aus dem Todtenreiche Ihr alter Vater wallt; Der Traum verwandelt die Eiche In seine liebe Gestalt. Mit seinen Armen vertauschen Die Äste sich, streicheln das Kind; Als Wörtlein der Liebe rauschen Die grünen Blätter im Wind. Noch schlafend giebt sie ihm Antwort: "Ach, mache den Heinrich mir gut, Sonst nimm mich in's Todtenland fort, Weil so weh mein Herze mir thut!" Was knistert da? geht doch leiser, Sonst wird ihr Schlummer gestört. Heinrich schleicht über die Reiser; Der hat wol Alles gehört? Er beugt sich behutsam nieder Auf seinen köstlichen Fund Und drückt auf die Augenlieder sic Ihr sanft den glühenden Mund. "O Heinrich!" -- Rausche nur, Eiche! Sie schweigen stille vor Lust: Sind offen die Himmelreiche, Versiegt ja das Wort in der Brust.
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Researcher for this page: Sharon Krebs [Senior Associate Editor]
Confirmed with Litthauische Volkslieder und Sagen bearbeitet von Wilhelm Jordan, Berlin: Verlag von Julius Springer, 1844, pages 19-20.
Text Authorship:
- by Wilhelm Jordan (1819 - 1904), "Der Schlaf unter der Eiche" [author's text checked 1 time against a primary source]
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