by Georg Herwegh (1817 - 1875)
Ich möchte hingehn wie das Abendrot
NOTE: the footnotes have been removed from this text; return to general view
Language: German (Deutsch)
Ich möchte hingehn wie das Abendrot Und wie der Tag in seinen letzten Gluten - O leichter, sanfter, ungefühlter Tod! Mich in den Schoß des Ewigen verbluten. Ich möchte hingehn wie der heitre Stern, Im vollsten Glanz, in ungeschwächtem Blinken, So still und schmerzlos möchte gern Ich in des Himmels blaue Tiefe sinken. Ich möchte hingehn wie der Blume Duft, Die freudig sich dem schönen Kelch entringet Und auf dem Fittig blütenschwangrer Luft Als Weihrauch auf des Herrn Altar sich schwinget. Ich möchte hingehn wie der Tau im Tal, Wenn durstig ihm des Morgens Feuer winken; O wollte Gott, wie ihn der Sonnenstrahl, Auch meine lebensmüde Seele trinken! Ich möchte hingehn wie der bange Ton, Der aus den Saiten einer Harfe dringet, Und, kaum dem irdischen Metall entflohn, Ein Wohllaut in des Schöpfers Brust erklinget. Du wirst nicht hingehn wie das Abendrot, Du wirst nicht stille wie der Stern versinken, Du stirbst nicht einer Blume leichten Tod, Kein Morgenstrahl wird deine Seele trinken. Wohl wirst du hingehn, hingehn ohne Spur, Doch wird das Elend deine Kraft erst schwächen, Sanft stirbt es einzig sich in der Natur, Das arme Menschenherz muß stückweis brechen.
T. Billroth sets stanzas 1, 4, 2, 6, 7
About the headline (FAQ)
View text with all available footnotesText Authorship:
- by Georg Herwegh (1817 - 1875), no title, written 1839, appears in Gedichte eines Lebendigen, in Strofen aus der Fremde, no. 2 [author's text checked 1 time against a primary source]
Go to the general view
Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]
This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
Line count: 28
Word count: 197