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by Siegfried Kapper (1821 - 1879)

Ein freies Land
 (Sung text for setting by W. Goethe)
 See original
Language: German (Deutsch) 
Our translations:  ENG
 ... 

  Auf dem Marschland bei Stavila, 
Auf dem Blachfeld, wo die Asche 
Ausgestreuet liegt vom Winde --
Asche von Stavila's Hütten --
Steht ein Eichbaum alt und riesig, 
Fließt ein klarer Wiesenquell. 
Über Nachtzeit sind die Blätter 
Hingewelkt am Eichenbaume, 
Über Nachtzeit sind die Wasser 
In der Quelle roth geworden.

  An der Eiche, an der Quelle 
Liegt ein Leichnam auf dem Rücken. 
Eine Kugel traf die Kehle 
Und das Herz ein Jatagan.
Seit drei langen, langen Tagen 
Liegt er da im Quellensande, 
Liegt im heißen Sonnenbrande 
Und im kühlen Thau der Nacht.

  Nicht geschlossen sind die Augen, 
Scheinen boshaft noch zu glimmen 
Blicken aufwärts nach der Eiche 
Und es welkt das grüne Laub. 
Nicht geschlossen sind die Wunden, 
Rothes Blut fließt noch aus ihnen 
Fließet abwärts in die Quelle 
Und die Wasser werden roth. 
 ... 
Also seit drei langen Tagen 
Liegt er da im Quellensande, 
Liegt im heißen Sonnenbrande 
Und im Thau der kühlen Nacht. 

 ... 
"Die ihr flohet in die Wälder, 
Die ihr flohet in's Gebirge, 
Als der Venezianer Fackeln 
Auf Stavila's Dächer fielen, 
Eilt herbei! -- An jener Eiche, 
An der Quelle bei Stavila 
Könnt ihr schauen einen Leichnam! 
Ist der Venezianer Hauptmann, 
 ... 
Ist der böse Venezianer, 
Der mit seinen Schandgesellen 
Uns die Heerden fortgetrieben, 
Der die Töchter uns entwendet, 
Der die Söhne uns geknechtet, 
Der die Hütten uns verbrannt! 
Eilt herbei! -- Im heißen Sande 
Liegt er da in seinem Blute, 
Liegt allein und seine Rotten 
Flohen weit hin über's Meer!"

  Also ruft die Schar der Hirten 
In die Wälder, in die Schluchten. 
Die es hörten, die da kamen, 
Um den Leichnam an der Quelle 
Stehn sie alle nun im Kreise.
 ... 

 ... 
Graben eine tiefe Grube, 
 ... 
Und verscharren drin die Leiche 
Des gehaßten Venezianers. 
Und, o Wunder! schattig wieder 
Grünt der Eiche welkes Laub, 
Kühlend wie in frühern Tagen, 
Fließt die Quelle klar und rein! 

  Doch mit einmal windet sich das Mädchen 
Bleich, entsetzt aus des Geliebten Armen. 
Marko, Marko, sprich, was ist geschehen? 
Feucht von nächt'gem Thaue ist dein Mantel, 
Naß von frischem Blute die Gewänder, 
Blutbeflekt sic dein Jatagan, die Hand, 
Und -- o Gott! -- aus deiner Brust, verwundet, 
Quillet warmes Blut! -- Hast du gerungen 
Mit den Hirten um ein Roß im Walde? 
Hast mit Räubern du gekämpft am Wege? 
Oder hast du in den dunkeln Schluchten 
Des Gebirges einen Wolf erlegt? 

  Eilt das Mädchen in des Vaters Keller, 
Bringet schnell den Becher rothen Weines, 
Reicht ihn freundlich dem Geliebten hin. 
Marko nimmt den schäumend vollen Becher, 
Schwingt ihn hoch: "O edler Heldentrank!" 
Schlingt die Arme um das schlanke Mädchen, 
Küßt sie: "Und o süßer Trank der Liebe!"

 ... 

Composition:

    Set to music by Walther von Goethe (1818 - 1885), "Ein freies Land", op. 22 (Slavische Bilder), Heft 2 (Der Vampyr) no. 3, published 1851, stanzas 11-12,13(lines1-8,13-16),14(lines5-12,15-24),15(lines1-5),16(lines2,4-9),8,7 [ voice and piano ], Bonn: N. Simrock

Text Authorship:

  • by Siegfried Kapper (1821 - 1879), "Ein Vampyr", subtitle: "(Illyrisch)"

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2025, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this page: Sharon Krebs [Senior Associate Editor]

This text was added to the website: 2025-12-10
Line count: 188
Word count: 1111

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