by Emanuel Geibel (1815 - 1884)
Trinklied der Alten See original
Language: German (Deutsch)
O wohl trüb ist die Zeit, wo der frostige Gast,
Wo mit knöchernem Arme das Alter uns faßt,
Und die feurige Lust, die noch jüngst uns beseelt,
Wie ein Märchen uns deucht, das am Herd man erzählt.
Doch der Wein bringet wieder,
Was zu rasch uns entfloh'n,
Bringt Erinnrung und Lieder —
Altes Herz, altes Herz, und was glühest du so!
Grün waren die Lauben und sonnig die Stund,
Da mein Mädchen ich küßt' auf den frischrothen Mund,
Da nicht Süß'res ich wußt' als ihr Auge so blau —
Ach, der Herbst kommt zum Wald und die Locke wird grau.
Doch der Wein bringet wieder
Was zu rasch uns entfloh'n,
Bringt Jugend und Lieder —
Altes Herz, altes Herz, und was glühest du so!
Keine Thräne, Herzensbrüder! Wir schaun von der Höh'
Nach der sinkenden Sonn', und verglüht sie nicht schön?
Heil uns, daß uns ward, was der Frühling nur giebt!
Diesen Becher der Liebe, die einst wir geliebt!
Denn der Wein bringet wieder,
Was zu rasch uns deucht,
Bringt Lieb' uns und Lieder —
Altes Herz, altes Herz, und was glühest du so!
Composition:
- Set to music by Joseph Rudolph Schachner (1821 - 1896), "Trinklied der Alten", op. 23 no. 3 [ voice and piano ]
Text Authorship:
- by Emanuel Geibel (1815 - 1884), "Trinklied der Alten"
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This text was added to the website: 2008-09-19
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