by Mathilde Beckmann-Raven (1817 - 1902)

Versunken
Language: German (Deutsch) 
Eingehegt von dunkeln Tannen,
Liegt ein tiefer, stiller Weiher.
Schaurig still, gleich einem bleichen
Angesicht im Nonnenschleier.

Einst versunken ist ein Kloster
In dem dunkeln Grund. Beim Flimmern
Blassen Mondlichts auf dem Wasser
Sieht man noch das Thurmkreuz schimmern.

Und bei Nacht, wenn Alles stillt,
Hört man leis' und fern Gesänge
Klagend aus der Tiefe dringen,
Und der Glocken Trauerklänge.

Herz, mein Herz! Du gleichst dem Wasser,
Unergründlich, tief und stille. —
Unten in dem dunkeln Grunde
Ruht mein Leid in dichter Hülle.

O, gar tief ist's dort versenket,
Todtenstill am lauten Tage,
Schweigend, wie der Klosterkirche
Glocken, stumm und ohne Klage.

Aber nachts zieht durch die Seele
Mir sein leises, fernes Klingen,
Ach, ich konnt' es tief versenken,
Aber nicht zur Ruhe bringen! —

Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2014-09-17
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